Samstag, September 15, 2007

Mixtape auf CD 09/2007


The Whole Shebang
(20 Titel, 69:27)

Tracklisting:
01. "Dedication" - Octopus (Octopus, 1969) 0:14
02. "Sauve-toi" - Les Jocks (Génération EP, 2006) 3:57
03. "Boa Sorte" - TLivre (Tlivre, 2007) 3:47
04. "introDucKtory offer" - Duck (One Way Back, 2006) 1:30
05. "Locomotion" - Hard On (Fi(r)st Fuck, 2007) 4:07
06. "Pain of life" - Drunksouls (On verra plus tard ..., 2006) 3:40
07. "Killer's End" - The Airy Snaps (College Punk Rock, 2007) 3:06
08. "Can't Stop It" - Proles On Parade (Share It Spread It Love It Vol.1, 2007) 2:35
09. "Bad Cover Version" - Pulp (We Love Life, 2001) 4:19
10. "Pablo Picasso" - David Bowie (Reality, 2003) 4:06
11. "Harold Knows" - Octopus (Octopus, 1969) 4:09
12. "The Whole Shebang" - Grant Lee Buffalo (Velvet Goldmine, 1998) 4:13
13. "IQ 53" - Predator (Talk Is Cheap, 2006) 2:01
14. "I'm Straight" - The Modern Lovers (The Modern Lovers, 1977) 4:18
15. "J. La petite panthère (hommage à Mélody)" - Monsieur Untel (Bureau des Affaires Animales. Vol 1., 2006) 3:27
16. "(Oh Dear) Miss Morse" - Pearls Before Swine (One Nation Underground, 1967) 1:55
17. "Funky Style" - Skastation (En Réalité, 2006) 3:32
18. "Mother rasta" - Taya Wooden (Mone Zion, 2007) 4:08
19. "Tumbling down" - Tim Fischer (Walzerdelirium, 2001) 3:22
20. "Balageru" - Abonesh Adenew (Balageru, 2001) 7:01

Aus dem Booklet:

Herzlich willkommen im monatlichen (seit April 2007 - echt!) Mixtape auf CD! Auch im September gibts auf der CD wieder alles, nur nichts Alltägliches.

1.Diesmal geht es ganz förmlich mit einer Widmung los. Für die eher 9live- und konsumistisch orientierte Hörerschaft habe ich einen kleinen Gewinn vorbereitet: Wer mir vernünftig übersetzen kann, was in Dedication von Octopus gesprochen wird, der bekommt einen Drink von & mit mir spendiert. Viel Erfolg!

2.Frankophon darf man sich von Les Jocks und Sauve-toi mitreißen lassen. Herumhüpfen auf der Straße und innerhalb der eigenen vier Wände durchaus erlaubt und erwünscht. Irgendwie ein Song, den man schwer wieder los wird aber auch gern noch eine Weile vor sich hin trällert.

3.Auch wenn (und gerade weil) der Sommer so gut wie vorbei ist, kommt der verspielte Song Boa Sorte vom sympathischen Duo TLivre gut an. Philosophisch nicht hochtrabend aber genau das richtige für die trübe Jahreszeit. Und wenn mir jemand singen würde "Everything you want", naja, ich wär sogut wie im Flieger nach Brasilien...

4.Den verspäteten Einstand gibts es mit Ducks IntroDucktory offer. So klingt hausgemachte Musik unter Creative Commons Lizenz. Nett, nicht?

5.Als Highlight unter den Highlights dieser CD stechen Hard On mit Locomotion hervor. Tolle Gruppe aus Köln, deren Teilhaber Dick mir das letzte E-Mail-Interview gab. Bin gespannt, wann die Intro bei mir nach Insider-Informationen anklopft. Zurück zur Musik. Einige erinnern sich vielleicht an die Band, sie hat es zum zweiten Mal auf eine CD geschafft. Und ich finde auch als Kulturwissenschaftler habe ich das Recht, auf anrüchige Texte abzufahren, das sage gleich, bevor es darauf abzielende Bemerkungen gibt...

6.Gut, wer bei IntroDucktory offer schon mal den Moon-Walk geübt hat, denn bei Drunksouls Pain of life möchte man doch mit Michael Jackson gemeinsam über die Bühne walken. Alle Anderen können das jetzt aber nochmal üben, der Typ ist besser als jedes Cover und könnte wohl auch das Original ersetzen... Wer aufgeatmet hat, dass Michael J. Geschichte ist, der hat geirrt, hier ist Michael 2.0.

7.The Airy Snaps bieten mit Killer's End super College Punk Rock (wie es auch der Titel ihres Albums verrät) und ich mag diese lo-fi-Produktion. Geil. Das auf dem Cover mit der Haargeltube ist mir nicht aufgegangen, aber möglich, dass es sich einem nach mehrfachem Headbangen erschliesst.

8.Was sind eigentlich Proles? Sind das Proleten? Dann wäre der Bandname Proles On Parade lustig, der Titel Can't Stop It allerdings denkwürdig. Mir persönlich kämen da eher Assoziationen in Richtung Intimverkehr aber jedem das Seine.

9.Mit Coverversionen habe ich es bei dieser Ausgabe sowieso. Daher darf auch titelmäßig Pulps Bad Cover Version nicht fehlen. Und echt mal, wer "She is trying to replace me, but it'll never work" singt, den zu ersetzen, käme mir nicht in den Sinn. Lieber Jarvis, deswegen biste auch wieder mal auf meiner CD *bussi*. Alternativ kann man hier auch PartnerIn im Arm halten bzw. die Bilder vom Jarvis online anschmachten.

10.Bei den Covern bleiben wir auch erstmal. Der ehrwürdigen David Bowie singt Pablo Picasso, ursprünglich ein Song von The Modern Lovers. Im Orginal (1970er) eher ruhig, hier mal auf poppig vom Glam-Opa persönlich vorgetragen.

11.1969 konnte man ja in Amerika sogar noch von Königen singen, das müssen echt andere Zeiten gewesen sein. Octopus' Harold Knows kommt mir auch etwas moralisierend herüber, aber das waren halt die ganz späten 1960er, da sang man noch von Idealen, heute hat diese die Standard-Popgruppe kaum noch & besingen, ach, wann war das zum letzten Mal?

12.Stichwort Ideale, Schmalz, Pathetik, die Zeit wo Männer auch mal dick (Make-Up) aufgetragen durften ohne gleich schräg angesehen zu werden, genau!, der Glam der 1970er. Nicht nur Grant Lee Buffalos The Whole Shebang ist genial, auch der Film Velvet Goldmine (mit dem absolut authentischen Jonathan Rhys-Meyers) ist ein Vergnügen; man kann entweder dem Sexappeal Ewan McGregors erliegen oder sich fragen, ob vielleicht auch beide einer Dreierbeziehung gegenüber aufgeschlossen gewesen wären - es waren immerhin die 70er...

13.Zeit auf zu wachen, Predators IQ53 aus dem Norden ist dafür genau richtig. Das tolle am Punk ist, man macht, wozu man Lust hat. Klingt vielleicht nicht immer perfekt aber besser als das Gemecker notorischer Besserwisser und Seinlasser.

14.In I'm Straight erzählen (und davon lassen sie sich auch nicht abbringen während der 4 Minuten) The Modern Lovers von einem Strichjungen, der eigentlich straight ist und es unter Drogen mit anderen Typen tut, bis er einen davon umbringt. Klingt natürlich in 4 Minuten 18 und mit Gitarre alles wesentlich ergreifender als in meinem kleinen und nüchternen Abriss.

15.Frankreich lässt uns nicht los: Da gibt es Monsieur Untel, der eine CD den Tieren gewidmet hat. Ara,Paka & Co sind dagegen lahmer Scheiß: Auf La petite panthère singt einer von einem Panther, spielt Instrumente ein, imitiert dessen Geräusche und macht eine CD unter Creative Commons davon. An jenem Einfallsreichtum könnten sich mal die Programmdirektoren ein Beispiel nehmen.

16.Zeitreisen sind schön und ich mag ganz besonders die schmuddeligen Ecken. Pearls Before Swine sind bei Miss Morse so wundervoll subtil. Abgesehen davon, dass der Text und Song total verschroben sind, wird im Hintergrund F-U-C-K gemorst. Toll oder? Ich war sofort begeistert.

17.Zurück ins Zentrum des Alten Europas, Frankreich, Frankreich. Mit ihrem Funky Style können Skastation locker mit jeder Combo aus den USA mithalten. Und ich, ich will mir Frankreich anschauen und -hören.

18.Mein intensiver Kontakt mit meinen Äthiopiern schlägt sich zunehmend auch musikalisch nieder, aber gutgemachter Reggae ist toll. Bob Marley naja..., mal lieber was aus der Moderne. Kulturanthropologisch wertvoll: "Don't forget your history" und "African Mama" besprechen doch jene aktuellen Fragen unserer Epoche. In der Zeit vom Merkelschen Schutz der Schöpfung (oder wie hat sie das gleich genannt?) und der Frage nach kulturellen Wurzeln, sagt uns Taya Wooden mit Mother rasta doch alles: Die Schöpfung war weiblich und vergiss nie, woher du kommst.

19.Das wird natürlich sofort beherzigt und daher ist der Vor-Rausschmeißer auch mal ur-ur-ur-deutsch. Nee, das Ganze nimmt sich sehr modern aus. Der einzige Mann, dem ich sein übermäßige Affektiertheit locker verzeihen kann und ohne die er nicht wäre was er ist, schleudert uns wieder auf den Alltag herunter: Tumbeling Down von Tim Fischer, dem das körperbetonende paillettenbestickte Kleid so gut wie keiner und keinem anderen steht.

20.Bis zum Afrikanischen Schultertanz waren es 20 Titel, Lockerungsübungen (Moon-Walk) haben wir gemacht, Headbangen haben wir bei den Punks geübt und die Hüfte mit Glam-Hits gelockert. Über Abonesh Adenew gibt es sicher viel zu sagen, aber wie so viele der afrikanischen Künstler, steht im Netz nichts über sie. Daher bleibe ich die zur Werkverortung nötigen Fakten vorerst schuldig... Achso, nen zweiten Drink könnte sich ergooglen, wer mir mehr über die Äthiopierin verraten kann *grins*.


Viel Vergnügen - ach so - und Übersetzungen und (Werk-)Biographien gehen an meine E-Mailadresse.

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