Donnerstag, Dezember 04, 2008

Du geiler Sack

Wenn man das an den Kopf geworfen bekommt, ist das im schlimmsten Fall ordinär aber immerhin in Richtung eines Kompliments. Wenn einem der Kassierer im Klamottenladen allerdings die Ware mit den Worten "Und hier, ein heißer Sack für dich" überreicht, dann, ja dann macht man sich so seine Gedanken. Ich meine, man hätte auch sagen können "Hier, du geiles Stück, hier ist deine Ware" oder aber "Da, nimms schon endlich, du heißer Feger". Aber nein, da lässt der Typ es lieber so klingen als wäre ich schmückendes Beiwerk und diese (übrigens ausgesprochen hässliche!!!) Tüte etwas besonderes. Wo sind die echten Komplimentemacher?

Samstag, November 15, 2008

Mixtape auf CD 11/2008



Coverbild von http://flickr.com/photos/harshapvss/.






Nights At The Circus (20 Titel, 82:07 Min.)

Titelliste

01. "Overture" - You Say Party! We Say Die! | Hit The Floor! | 2006 (2:02)
02. "Sisini" - Super Biton De Segou | Mali | 2007 (5:38)
03. "Throw It On A Fire" - Bell Orchestre | Recording A Tape The Colour Of The Light | 2005 (4:46)
04. "Oldster by Xilin River" - Sa Dingding | Sacred Sound On KAOS fm | 2008 (3:34)
05. "Soobax" - K'naan | Awards for World Music 2007 | 2007 (3:45)
06. "Kemayoran" - Various Artists | Discover Indonesia | 2000 (4:53)
07. "Feira De Mangaio" - Think of One | Awards for World Music 2007 | 2007 (4:20)
08. "Winnawal Burru" - Jowandi | Australia: The Dreaming | 2003 (4:14)
09. "Nights At The Circus" - Bishi | Nights At The Circus | 2007 (3:57)
10. "Pay Dar Doran - Memory Of Cycles" - Madjid Khaladj | Iranian Percussions: Tombak, Daf, Dayre And Zang-e Saringosh | 2001 (3:33)
11. "Badjirgal's Wish" - Sainkho | Naked Spirit | 1998 (3:04)
12. "Soixante Trois" - Tinariwen | Aman Iman: Water Is Life | 2007 (4:13)
13. "Heaven and Earth" - Svetilen Emsemble | Sacred Sound On KAOS fm | 2008 (2:11)
14. "Oceania" - Björk | Original Music from the Film "Screaming Masterpiece" | 2005 (3:22)
15. "Byanchuli (morning song, part II)" - Various Artists | Himalaya Roots - Traditional Music of Nepal | 1997 (4:23)
16. "Yes" - Coldplay | Viva La Vida Or Death And All His Friends | 2008 (7:06)
17. "Pena Verde - Rhythm of Samba" - Various Artists | Songs and Dances of Brazil | 1956 (2:32)
18. "Del Mar Rojo" - Stellamara | Star Of The Sea | 1997 (5:07)
19. "Hana Nu Kajimaya" - Takashi Hirayasu & Bob Brozman | Jin Jin / Firefly | 2000 (2:29)
20. "Gaztelugatxeko Martxa" - Kepa Junkera | Bilbao 00:00 h | 1999 (6:58)

Aus dem Booklet

Hallo und Ohren aufgesperrt,

denn hier kommen 20 unerhörte – und hoffentlich auch ungehörte – Musiktitel aus aller Welt. Mit dieser Musikauswahl pfeife, singe, spiele, schmettere ich gegen tristes Grau im November. Stattdessen musikalische Farbe aus Canada, Mali, China, USA, Indonesien, Belgien, Australien, Großbritannien, Iran, Tuva, Syrien, Russland, Island, Nepal, Brasilien, Japan und Spanien. Wahnwitziges Unterfangen? Eine Musikmischung, die gegen die Maximen des guten Geschmacks verstößt? Genau! Es ist wie mit Hosen oder Shirts: das Lieblingsstück wird immer das für zunächst untragbar gehaltene Stück Stoff. Legen wir los!

1.Für einen sphärischen Auftakt sorgen die Powerfrauen von You Say Party! We Say Die! Darüberhinaus sind sie das beste Beispiel, dass die sogenannte Weltmusik schon längst im Pop und Rock angekommen ist, auch in Canada.

2.Nach der kühlen nördlichen Mystik nun zu einem Ensemble aus Mali. Super Biton de Segou sind eine der Stars der malinesischen Musikszene der 1970er Jahre. Getroffen haben sich die Bandmitglieder auf den jährlichen Bandwettberwerben und gründeten eine Band. Kennzeichnend für Super Biton ist die Energie und der charakteristische Gesang Mamadou Doumbias. Ab 1980 war leider Schluss mit der Band, Doumbia macht einige Soloplatten und das Erbe Super Bitons ist verstreut auf zahlreiche Compilations.

3.Zurück nach Canada und damit ein kleiner Vorgeschmack darauf, wie die geographischen Verhältnisse dieses Mixtapes auf CD liegen: unheimlich weit auseinander. Von Montreal bricht auf uns hernieder die fünfköpfigen Bell Orchestre. Sie standen bereits als Orchester mit Arcade Fire auf der Bühne und einige Personen sind sowohl Mitglieder von Bell Orchestre als auch von Arcade Fire. Musikalisch lässt sich das, was sie tun, am ehesten als wilder Instrumental-Rock beschreiben. Eine fabelhafte Scheibe mit einer ungeheuren, ja, fast überirdisch anmutenden Energie, fiedelnd zur Schau gestellt in Throw It On A Fire.

4.Der nächste Titel Oldster by Xilin River führt uns nach China. Sa Dingding ist eine chinesische Folksängerin mongolischer Abstammung und nebenbei ein Sprachtalent. Ihre Texte singt sie auf Mandarin, Sanskrit, Tibetanisch, einer beinahe ausgestorbenen Sprache Namens Laghu und, manchmal kommt man ja einfach nicht weiter in 4 Sprachen, einer Phantasielautsprache. Wie es sich für Folksänger gehört, begleitet sie ihre Songs selbst auf traditionellen Instrumenten (beispielsweise die Pferdekopf-Geige). Sie wurde 2006 zu Chinas bester Tanzmusiksängerin gewählt, erhielt 2008 den BBC Radio 3 World Music Award und arbeitet an einem neuen Album, das 2008 erscheinen soll.

5.Und ab nach Somalia, zumindest vom Einfluss her. Der, der hier so grandiosen Lärm macht, ist Kaynaan Warsame, ein 1978 in Mogadischu geborener Künstler, der inzwischen in Canada residiert. Seine Großmutter war Somalias berühmteste Sängerin, der Vater Dichter – logisch, dass der Junior auch in die Kunst wollte. K'naan hat sich textlich ganz dem Singen für eine bessere Welt verschrieben und hat sich zu diesem Zweck spontan noch Rappen beigebracht. Die Texte sind meist auf Englisch, fordern das Ende des blutigen Krieges in seiner Heimat und musikalisch liest man, es handele sich um die Mischung aus Bob Marley und amerikanischem Hip Hop. Passt genau zu diesem Mixtape; denn bis man es gehört hat, kann man sich darunter nicht viel vorstellen.

6.Kemayoran ist faszinierend. Der Titel würde locker auch an einen europäischen Hof passen. Tatsächlich ist es aber ein indonesischer Song, den ich auf einer CD mit einer kondensierten Auswahl indonesischer Musikstücke gefunden habe. Ich muss gestehen, für europäische Ohren klingt das hier recht vertraut, harmonisch und gar nicht so „richtig“ 12-tonig.

7.Normalerweise dauert Jakarta – Brüssel 12 Stunden oder so, hier liegen beide Zentren nur einen Titelabstand auseinander. Zu hören sind Think Of One, eine hyperenergische Gruppe aus Brüssel (ich wusste schon immer, diese Stadt hat es in sich) mit einem so wundervoll akzentuierten Portugiesisch, dass ich ganz von Sinnen bin. Mangaio ist die ackerbauliche Ernte, es ist also eine Art Erntelied.

8.Der Interpret von Winnawal Burru hat wieder eine spannende Biographie zu bieten. Wayne Jowandi Barker ist in Broome, australisches Outback, geboren und Nachfahre der Yawurru und Jabirr Jabirr, beides Aborigine-Stämme. In jungen Jahren gründete er einen der ersten Aborigine-Radiosender, einige Zeit später das Aborigine-Filminstitut, lehrte dort, machte eigene Filme und fand irgendwann, die Zeit wäre Reif für eigene Musik. Inzwischen lebt der mit Preisen und Auszeichnungen reich dekorierte Mann in Frankreich, unterhält aber, das ist so seiner Website zu entnehmen: „enge Kontakte zu den Angehörigen des Stammes“. Sage mal noch einer, Aborigines hielten nichts von den neuen Technologien.

9.Jetzt bewegen wir uns auf Kolonialpfaden (böse, sorry) zurück nach Großbritannien. Dort tritt die bengalisch-stämmige Bishnu Priya im angesagtesten Klub der Stadt, Kash Point, auf. Ihre Musik, man hört es, ist stark beeinflusst von den Einflüssen, die sie auf ihren jährlichen Besuchen in Indien aufliest. Wenn sie nicht gerade ihre Umgebung analysiert oder auflegt, dann spielt sie auch noch eine handvoll typischer Instrumente. Ich liebe ihr Englisch, das klingt toll und auch sonst, ist es eine wundervolle Sache, dieses, ehm, außerirdische Musik-Thingy...

10.Und wieder geht es Richtung Osten. Da finden wir Madjid Khaladj, einen iranischen Perkussionskünstler. Memory Of Cycles mag ein Wenig esoterisch anmuten, ist aber einfach nur dem konzentrierten Sprechgesang geschuldet, welcher dem Interpreten erlaubt, solch geniale Rhythmen zu spielen. Am Besten klingt das Stück, wenn die Boxen eine schöne Basswiedergabe haben. Achso, Bauchwackeln, respektive -tanzen ist erlaubt, wegen mir auch ohne Verschleiern...

11.Mit dem vorliegenden Titel bewegen wir uns in die quasi-autonome Provinz Tuva auf dem Gebiet Russlands. Von dort stammt die Sängerin Sainkho die gerade Badjirgal's Wish aufführt. Sie ist ein Meister in der Atmung und weiß diese effektvoll für ihre Musik einzusetzen. Neben einem sehr gut trainierten Kehlkopf braucht man für diesen Gesang auch noch eine Hand, mit der man Verschlusslaute hervorpressen kann. Ich finde das aus musik-anatomischer Sicht total faszinierend.

12.An dieser Stelle zieht es uns in warme, ja fast, heiße Gefilde. Stellen wir uns eines von Gaddafis Wüstencamps vor. Dort trainieren sonnengegerbte Männer mit Waffen und irgendwann muss wohl einer Mal gesagt haben „hey, lasst uns Musik machen“. Und so entstand in Lybien eine Art gaaaaanz relaxter Wüstenrock. Stilecht mit Elektrogitarre und rauchiger Stimme. Die Gesänge ausnahmslos auf Tuareg aber schon volle Kanne abgeräumt bei Auslandsauftritten. So sieht kulturelle Öffnung aus dem militärischem Kontext aus.

13.Das aus Russland stammende Svetilen Ensemble ist mit keiner einfachen Aufgabe betraut: es soll die urrussischsten Musiktraditionen erhalten und verbreiten. Nun, das ganze strotzt tatsächlich nicht vor musikalischer Innovation. Dafür taugt der Titel jedoch fast als Weihnachtsgesang.

14.Björk zeigt jetzt nochmal wo der Hammer hängt: nämlich bei den Frauen. Aufgefallen, dass ein Großteil der Weltmusik weiblich ist? Gefunden habe ich Oceania (wie passend, wenn man auf einer Insel umgeben vom Atlantik wohnt) auf einer Compilation zur isländischen Musikgeschichte. Björks Oceania ist dabei der Renner.

15.Gletscher und Eis finden sich auch im Land dieses Songs: Nepal. Neben einigen ziemlich hohen Bergen hat das kleine südasiatische Land auch eine interessante Musik zu bieten. Entweder sind es Mönche die andächtig „om“ machen oder Spielstücke, die völlig ohne Gesang, dafür aber mit der typischen Sarangi (ein 3- oder 4-seitiges Streichinstrument) und einer ganzen Zahl von Trommeln auskommen.

16.An dieser Stelle nun noch ein Mal ein Beispiel für Weltmusik in der Popmusik: Coldplays Yes aus dem letzten Album. Streichinstrumente sind auch hier das Stichwort. Denn was da so vor sich hin rüttelt sind nun nicht unbedingt typisch britische Melodien – viel eher hat man sich da östlicher Einflüsse bedient. Clash of Cultures ist gelungen, würde ich sagen. Abseits des weltmusikalischen Aspekts auch ein schönes Album.

17.Dieses Stück stammt von einer CD, die vermutlich so alt ist, wie die Aufnahmepraxis auf Wachsrollen. Nein, ernsthaft. Das Ding ist so mies von der Aufnahme her aber die Titel sind wundervoll authentisch und transportieren eine Menge Gefühl. Außerdem sind sie herrlich kurz und aus meinem Lieblingsland Brasilien. Zu dem hat eine kleine Samba noch keiner CD geschadet :-D

18.Von Brasilien ist es für die Verhältnisse dieser CD sogar recht nah in die USA. Dort siedelt das Ensemble Stellarmara. Bestehend aus Amerikanern verschiedenster Abstammung machen sie eine Musik mit mal phantastisch-mittelalterlichen oder Balkanelementen. Das ist auch bei Del Mar Rojo (Vom Roten Meer) Programm.

19.Wem es bisher zu ernsthaft, zu schwer, zu anstrengend war, dem lege ich japanische Gitarrenmusik ans Herz. Ernsthaft: Takashi Hirayasu ist ein Meister seines Instrumentes und singt zudem noch ganz wundervoll. Man ertappt sich unweigerlich dabei, wie man mit dem Kopf wackelt auch wenn man keinen Brocken versteht. Und nun erkläre mir einer, warum die Japaner oftmals so distanziert, ruhig und abgeklärt wirken...

20.So und zum Schluss setzen wir dem noch Eines auf: Der letzte Song ist absolut als Ausspracheübung zu empfehlen: Gaztelugatxeko von Kepa Junkera, einem hochgradig talentierten Akkordeon spielenden Basken. Der Song stammt von einer CD, die er seiner Heimatstadt Bilbao gewidmet hat und in allen Songs stellt er unter Beweis, dass er nicht nur Meister des Akkordeons ist, sondern auch noch alle erdenklichen anderen Instrumente beherrscht.

Auch euch bei allen Aufgaben gutes Gelingen, viel Vergnügen mit der Weltmusik und bis zum nächsten, dann ganz standesgemäßen retrospektiven Mixtape auf CD im Dezember. Es grüßt, Peter.

Mittwoch, Oktober 15, 2008

Mixtape auf CD 10/2008





Neu: Mixtape mit individuellem Rohling und jahreszeitlich stimmigem Booklet.

The Art Teacher (20 Titel, 79:02 min)

Titelliste:

01. "Slow The Stars Again For Me" - De Trop | I Will Just Sit And Wait Until Your Face Leaves My Mind | 2006 (1:43)
02. "Norway, America, Australia" - David & The Citizens | Song Against Life - EP | 2002 (4:13)
03. "Drei Schritte vom Abgrund entfernt" - Tocotronic | Digital ist besser | 1995 (1:31)
04. "Beautiful Future" - Primal Scream | Beautiful Future | 2008 (5:10)
05. "Tell The King (Original Demo Version)" - The Libertines | Don't Look Back Into The Sun (7'' Vinyl) | 2003 (3:44)
06. "The Gap (Between The Rich And The Poor)" - You Say Party! We Say Die! | Hit The Floor! | 2006 (3:02)
07. "Powder Blue" - Elbow | Asleep In The Back | 2002 (4:31)
08. "Penzance" - Patrick Wolf | The Libertine (Maxi-Single) | 2005 (5:24)
09. "All The Love In All The Rain" - De Trop | I Will Just Sit And Wait Until Your Face Leaves My Mind | 2006 (3:12)
10. "Karma Police" - Radiohead | OK Computer | 1997 (4:21)
11. "I Get My Beat" - Richard Ashcroft | Alone With Everybody | 2000 (6:02)
12. "Song For Freedom" - The Royal Family And The Poor | In The Sea Of E | 2003 (3:34)
13. "Mistral" - Distance | My Demons | 2007 (4:40)
14. "Big Stuff" - Jarvis | Don't Let Him Waste Your Time / Big Stuff (7'' Vinyl) | 2007 (4:57)
15. "The Art Teacher" - Rufus Wainwright | Want Two | 2005 (3:51)
16. "Neulich im Kanal" - Gustav | Verlass die Stadt | 2008 (3:49)
17. "Hoppípolla" - Sigur Rós | Takk... | 2005 (4:28)
18. "The Lovers Are Losing" - Keane | Perfect Symmetry | 2008 (5:13)
19. "Sink Like A Stone" - Delays | You See Colours | 2006 (3:05)
20. "We're Gonna Make It" - DeVotchKa & Michael Danna | Little Miss Sunshine | 2006 (2:33)

Aus dem Booklet:

Musikliebhaber aller Länder,

willkommen im Mixtape auf CD für den Oktober 2008. Statt herbst-wetterlicher Tristesse gibt auf dieser CD eine Musikauswahl, die ich mir in groben Zügen so während eines Kurzurlaubs in der anhaltinisch-brandenburgischen Provinz überlegt habe. Daher gibt es auch nicht so schrecklich viel Neues, wohl aber ziemlich gute – will nicht sagen: Evergreens – Klassiker. Im November dann, wie auch in 2007, eine Disk voller Musik aus (fast) allen Ländern. Wie gefällt die neue Gestaltung der CDs selbst?

1.Gemächlich geht es los mit De Trop aus Schweden. Das Album mit dem wirklich eingängigen Titel I will just sit and wait until your face leaves my mind ist ein ruhiger Mix aus Gitarren und einigen (selbstgebastelten?) Instrumenten. Die Lieder eher ruhig als wild, sprechende Songtitel mit dem Hang zur Melancholie – ja, ist halt Herbst.

2.Der zweite Titel geht an David & The Citizens und damit bleiben wir erstmal in der nordischen Ecke. Ein recht folkiger Song darüber, dass überall alles gleich ist. Stimmt ja auch: H&M gibt’s überall, jede westliche Innenstadt ist das Spiegelbild Ihrerselbst, ob nun in Norwegen, Amerika oder Australien.

3.Hier machen wir mal Hamburger Schule. Viel bemüht, ich weiß. Aber seitdem ich bei einer sehr lieben Person Tocotronic gehört habe, fand ich, es müsste ein Song hier drauf. Also freie Bahn für (damals noch) jugendliche Aussichtslosigkeit in Form von Drei Schritte vom Abgrund entfernt.
4.Das schmettert: Von Primal Screams neuer CD gibt es an dieser Stelle Beautiful Future. Ein so plakativer Song muss einfach helfen, obgleich im Text ja von aufgehängten Leichen, dem elektrischen Stuhl und brennenden Autos die Rede ist. Schönes Beispiel für einen Pulp-esken Ansatz.

5.Wir bleiben noch eine Runde im Vereinigten KÖnigreich. Die Libertines sind wieder da. Ehm, nein, leider nicht. Auf einer B-Seite verbirgt sich jenes schöne Demo von Tell The King. Ein Song, den ich zeitweise immer wieder gehört habe. Diese Version ist anders, aber keinesfalls schlechter. Neulich hab ich gelesen, Pete und Carl spielen jetzt immerhin schon wieder zusammen; vielleicht wird es ja doch wieder was mit der Reunion.

6.Okay, auf der Sechs jetzt geballte Frauenpower aus Canada, wenn ich mich recht erinnere. Ein Album, das nur vor Power strotzt: Hit The Floor! Von You Say Party! We Say Die! Krasse Band und verdammt coole Idee. Die erinnern mich am ehesten noch an The Organ, obgleich WSPYSD wesentlich aufgeregter sind. Der Song fällt in die Kategorie Leute aufwecken mit peppigen Texten.

7.Nach viel Frauen-Gezappel jetzt etwas ruhigeres von Elbow (die Entdeckung der letzten drei Wochen). Eine Band, die gerade unheimlich für ihr aktuelles Album gerühmt wird, Mercury-Award und man liest überall über sie. Der Song Powder Blue stammt vom 2002er Album Asleep in The Back und ist eine Homage an einzigartige Moment. Rührende Textzeilen und geniale Instrumentierung inklusive: Stumble through the crowds together / They're trying to ignore us. That's o. K / I'm proud to be the one you hold when the shakes begin.

8.Neulich habe ich mal Pressephotos von Patrick Wolf gesucht und war ganz hin und weg. Aber zurück zur Musik. Penzance, ein Küstenort in Schottland, wenn ich das recht in Erinnerung behalten habe, ist der Titel für den vorliegenden Song. Ich seh's ja so, dass Herr Wolf hier Penzance als Ort, an dem die Winde entstehen, als Vergleich für das Entstehen einer Sehnsucht (Liebe) bemüht. Finde das äußerst gelungen, wenn auch künstlerisch nicht revolutionär. Kann ja aber nicht in allem eine Revolution beginnen. (Außerdem hat er den Ästhetikbonus :-)

9.Jetzt machen wir noch eine Runde De Trop. Diesmal mit All The Love In All The Rain. Ein Song, der ist, was er erwarten lässt: Höhere, regentropfige Klänge vor ruhiger, liebevoller Hintergrundmelodie.

10.Noch einer aus der Kategorie Klassiker: Radioheads Karma Police. Ein Klassiker, den ich oft gehört, dessen Lyrics ich oft gelesen, mir aber nie so richtig einen Reim drauf machen konnte. Karma Police, Überwachung unserer innersten Gedanken oder so was vielleicht? Genialer Song vom Album OK Computer.

11.Richard, Yeah! Gleich eine Liebeserklärung in den ersten Zeilen, das war ein Song für mich. Der bestaussehendste Musikschaffende Britanniens findet seinen Takt und macht einen positiven Wohlfühlsong daraus.

12.The Royal Family And The Poor sind vermutlich mit meine Lieblingsinterpreten. Das liegt daran, weil sie obskure Songs, wie beispielsweise auf dem Factory-Mixtape zu hören, gleichermaßen beherrschen, wie eingängige Popballaden. Song For Freedom: Childlike Revolution – Instant Smile. Dem ist nichts hinzuzufügen.

13.Nachdem Burial die Dub-Step-Szene aufgeweckt hat, kommen immer mehr Djs aus der Versenkung und präsentieren ihre Werke. Unter dem Namen Distance tut das Greg Sanders aus Kent, Vereinigtes Königreich. Eigentlich nicht unbedingt meine Musik, aber das hat etwas. Das Album My Demons ist insgesamt stimmig obgleich nur zwei, drei Titel wirklich herausragend sind, der Rest verliert sich etwas in Gleichmacherei.

14.Eigentlich würde hier gut das sogenannte dicke Ende passen, aber Schluss ist noch nicht. Jarvis bringt uns Big Stuff (auch von einer B-Seite) und das ist mal ein großartiger Song. Die Weisheiten bringt uns ja immer der Jarvis, ob nun unter dem Namen Pulp oder Jarvis. Und ich liebe seine Rachegelüste, ich kann das so was von gut nachvollziehen. Unchristliche Gefühle müssen auch mal sein, wenigstens im Kopf. Oh, but suddenly the way you're living, well it don't make any sense / Oh yeah the magic hour is over, now it's time to pay the rent / Oh everything you ever had you spent.

15.Und wer liegt mir ebenso am Herzen? Der Herr Wainwright. Und heute tue ich es ihm gleich, denn ohne, dass mir mein damaliger fabelhafter Kunstlehrer Herr Müller gezeigt hätte, wie man Schablonen und dazugehörige -Drucke anfertigt, gäbe es dieses Mixtape auf CD nicht. Daher Daumen hoch für Herrn Müller, obgleich mich solch starke Gefühle wie bei Rufus nicht mit meinem Kunstlehrer verbanden. Ich liebe autobiographische Bezüge in Songs, erwähnte ich das bereits? Bühne frei für The Art Teacher.

16.Oh ja, nach dem sich auch der Hype um Gustav wieder gelegt hat, liefere ich von dem erstklassigen Album Verlass die Stadt den medienkritischen Diskurs Neulich im Kanal nach. Diesen Song im Frühjahr zu hören, das war wie eine Offenbarung, ich dachte, die singt, was auch du denkst. Wow.

17.Auch von Sigur Rós lege ich noch etwas nach. Hoppípolla aus dem Album Takk... von 2005. Das habe ich im Urlaub im Dunkeln gehört und es hat mich umgehauen. Hoffentlich zündet es auch so bei euch, man muss sich darauf einlassen und wird so unendlich belohnt.

18.Nach dem ich Keanes Under The Iron Sea ganz plötzlich für mich entdeckt habe, sind die Hoffnungen für das Folgealbum entsprechend hoch. The Lovers Are Loosing orientiert sich sehr an Spiralling, was nichts schlechtes heißen muss, Anleihen bei den 1980ern gehen immer. Was mich neben der Musik auch immer begeistert, ist das Art-Work ihrer CDs.

19.Manchmal gefällt mir Musik, die in einer Liga spielt, die mir normalerweise gar nicht behagt. Die Delays sind so was von auf der Grenze von duseligem Radiopop, dass ich Anfangs immer überlegt habe, ob ich sie grässlich oder großartig finde. Ich habe mich für Letzteres entschieden. Immerhin haben sie hier einen perfekten Song gegen Liebeskummer produziert (welcher auch Schorre-Potiential hätte...). Don't let your heart break; this is your finest hour / Sink like a stone (on my heels) and into the green, letting love go / But oh no, hey, where did you go?

20.Mit DeVotchKa hätten wir es dann auch diesmal wieder geschafft: 20 geniale Titel in knapp 80 Minuten. Passend dazu und auch für alle anderen Herausforderungen We're Gonna Make It (eigentlich müsste es ja heißen: We made it). Jawohl!

In diesem Sinne - es grüßt
Peter.

Freitag, September 19, 2008

Quark im Radio

Deutschland, armes Land. Nein, wirklich, es soll hier nicht um die Bankenkrise gehen, sondern um Menschen wie du und ich. Individuen, die sich das, was sie tun (müssen) nicht ausgesucht haben oder einfach ziemlich schlecht erledigen, weil es keinen Spaß macht (und/oder ihnen die mangelnde Selbstdisziplin fehlt, ihre Aufgabe ordentlich zu beenden).

Ich wettere hier auf den Radiosender, den ich inzwischen abgeschaltet habe, weil er mir einfach zu oberflächlich berichtete und mit zu vielen Modalpartikeln um sich warf. Leider gibt es keine Nachrichtenmeldung online, die ich hätte vorführen können. So muss ich es nach bestem Gewissen nachstellen.

Diese Nachrichtenmeldung
Die Europäische Union hat China aufgefordert, den Milchskandal vollständig aufzuklären. Oberste Priorität sei, die europäische Versorgungskette sicherzustellen, erklärte der zuständige Generaldirektor der EU-Kommission für Gesundheits- und Verbraucherschutz. Nach bisherigen Erkenntnissen sind keine verseuchten Milchprodukte in Europa entdeckt worden. Die EU ist Chinas größter Handelspartner. Die giftige Chemikalie Melamin ist in China jetzt auch in Frischmilch nachgewiesen worden.

würde man auf MDR-Info ungefähr so verlesen:

Die Europäische Union hat China aufgefordert, den sogenannten Milchskandal recht vollständig aufzuklären. Oberste Priorität müsse wohl sein, die europäische Versorgungskette sicherzustellen, erklärte der scheinbar zuständige Generaldirektor der sogenannten EU-Kommission für Gesundheits- und Verbraucherschutz. Nach bisherigen Erkenntnissen sind anscheinend keine möglicherweise verseuchten Milchprodukte in Europa entdeckt worden. Die EU dürfte Chinas größter Handelspartner zu sein. Die offenbar giftige Chemikalie Melamin ist anscheinend jetzt auch in Frischmilch nachgewiesen worden.

Gott, schnellstmöglich sollte der verantwortliche Redakteur ausgewechselt, höher bezahlt oder aber anderweitig motiviert werden. Man hält es als sogenannter Hörer nicht mehr aus...

Montag, September 15, 2008

Mixtape auf CD 09/2008



(Fotografie Spiral von http://www.flickr.com/photos/photochiel/

Hope There's Someone (80:05 min, 18 Titel)

Titel

01. "Free Man in Paris" - Sufjan Stevens | A Tribute to Joni Mitchell | 2007 (5:01)
02. "Wolves" - Phosphorescent | Pride | 2007 (6:14)
03. "The Reputation Of Ross Francis" - My Latest Novel | Wolves | 2006 (2:59)
04. "California Dreamer" - Wolf Parade | At Mount Zoomer | 2008 (6:00)
05. "Light Of Love" - Music Go Music | Urban Outfitters - LSTN #1 | 2008 (5:14)
06. "Hope There's Someone" - Antony And The Johnsons | I Am A Bird Now | 2005 (4:20)
07. "Sore" - Annuals | Urban Outfitters - LSTN #1 | 2008 (4:12)
08. "Messenger Man" - Willi Williams | Messenger Man | 2005 (4:46)
09. "Somewhere" - The Durutti Column | Someone Else's Party | 2003 (3:52)
10. "The Unicorns: 2014 (Demo Autumn 2002)" - The Unicorns | The Unicorns: 2014 | 2004 (3:34)
11. "Judas" - The Verve | Forth | 2008 (6:19)
12. "Chinese Whispers" - Brett Anderson | Wilderness | 2008 (3:21)
13. "What Can I Do?" - Antony And The Johnsons | I Am A Bird Now | 2005 (1:40)
14. "Roses" - ironville | The YAA! Tapes - Vol. 1 | 2008 (2:47)
15. "Waste Of Space" - Delays | You See Colours | 2006 (3:57)
16. "Spiralling (Radio Edit)" - Keane | Spiralling | 2008 (3:28)
17. "Sky Phenomenom" - Jens Lekman | Maple Leaves | 2004 (4:36)
18. "Syndir Guðs (Opinberun Frelsarans)" - Sigur Rós | Von | 1997 (7:45)

Aus dem Booklet:

Geschätzte musikbegeisterte Rezipienten,

eine neue Ausgabe des Mixtapes auf CD liegt vor. Im September begeistern (hoffentlich!) Lieder mit eindeutigem Bezug auf vergangene Jahrzehnte. Die 1980er sind wieder in und die 1960er waren sowieso nie out. Wer als Band schon Material in den 1990er veröffentlichte, besinnt sich gern darauf zurück und alle Anderen mischen und basteln zusammen, was sich an musikalischem Material davor und danach finden lässt; machen letztlich die Musik für diesen Moment. Hoffentlich wird mit dem aktuellen Mixtape auch aus eurem Nachmittag/Abend ein besonderer Moment. Ich hatte wie immer großen Spaß beim Heraussuchen der Titel. Fangen wir an.

1.Den Auftakt macht der niedliche Sufjan Stevens mit Free Man In Paris. Der Song kommt aus einer Compilation zu Ehren der aus Canada stammenden Folk-Sängerin Joni Mitchell. Ein Song mit wunderschöner Blechbläserbegleitung, der gut eine Unterhaltung in einer Bar nachstellen könnte. Nach dem Motto: Und Sie, sind Sie mit ihrem Leben zufrieden? "The way I see it," he said, "You just can't win it'' / Everybody's in it for their own gain / You can't please them all / There's always someone calling you down.

2.Dieser Song stammt von Phosphorescent, einer Ein-Mann-Band aus New York. Das Album Pride (von dem wir Matthew Houck mit Wolves hören) bekam gute Kritiken. Ich mochte daran besonders den spirituellen Touch, insgesamt höre ich hier sehr selektiv. Wolves ist aber mit der beste Titel auf der CD, die sich hervorragend zum Hören in dunklen Zimmern bei Kerzenlicht eignet. CD-Tip Nummer 1 für die Herbstsaison.

3.Wer es im Herbst eher etwas herzhafter, sprich lieber Pilzpfanne denn Apfelkompott haben möchte, dem empfehle ich das Album Wolves (wir bewegen uns heute thematisch nur langsam *g*) von den Glaswegians My Latest Novel. Ein grandioses, dichtes, so dermaßen scharfes Album, das ganz im Stile von Arcade Fires Funeral produziert ist und mich immer wieder begeistert. Die Leute von My Latest Novel brauchen die Vergleiche in höherer Liga überhaupt nicht fürchten. Wie gesagt, wer Arcade Fire, The Twilight Sad und The Besnard Lakes gut fand, der findet hier viel Freude, CD-Tip Nummer 2.

4.Von den Wölfen kommen wir heute so schnell nicht weg, Wolf Parade steuern in Anlehnung an California Dreaming ihr California Dreamer bei. Besonders genial ist hier, wie Spencer Krug & Co die Referenzen zum Original einbauen. Beweise? And you were dreaming of Los Angeles (vgl. I'd be be safe and warm if I was in L. A / California dreaming on such a winter's day). Selbstredend ist Krugs Version etwas länger als das Original :-D

5.So, nun aber mal weg von den Wölfen. Jetzt gibt es etwas viel schöneres aber nicht minder gefährliches (wenn man's zulässt). Light Of Love von Music Go Music, welchen einen gewissen Abba-Charme haben, meine ich jedenfalls. Aber der Herbst ist bunt, warum darf nicht das Mixtape auch mal partiell kitschig sein. Ich merke gerade wie herrlich sich heute alles fügt: Music Go Music stammen zufällig aus California...

6.Nach dem Abba-esken Gefühlsausbrüchen gibt es nun ehrliche Emotionen. Antony And The Johnsons dürfte die Herzen aller Rufus-Fans bereichern (der Bang kommt später). Ein Mensch, schwer zu sagen ob nun eher Mann oder Frau betritt die Bühne und singt alle bisherigen Freddy Mercurys einfach weg und katapultiert sich mit Hope There's Someone jenseits aller Gender-Grenzen in die Herzen aller (nicht prolligen) Musikfans. Oh I'm scared of the middle place / Between light and nowhere / I don't want to be the one / Left in there, left in there. Dem ist nichts hinzuzufügen.

7.Die Annuals, ja ... Eine Band mit der ich immer viel Spaß habe, da ich erklärter Fan von pompösen Liedern bin. Jenem Betriebsgeheimnis der Band folgt auch Sore, ein trullernder Anfang dem ein so schöner, dichter, rockiger Rest folgt. Im Oktober gibt es das neue Album – ich lege dann mal Geld zurück...

8.Mit Reggae ist das ja so eine Sache. Eigentlich eine richtig tolle Musik aber regelmäßig verderben mir Hardcore-Rastafaris die Freude daran, wenn sie auf homofeindlich machen. Über Willi Williams hab ich nichts einschlägiges in dieser Richtung gefunden, nehmen wir also an, er ist einer der guten. Das Preisrätsel für dieses Mal ist übrigens folgende Frage: Welche richtig berühmte Gruppe coverte Willi Williams Messenger Man 1980? Als Belohnung winkt, ehm, winkt, ach ja, winkt ein Album eurer Wahl als Sicherheitskopie von mir. Vorschläge wie immer per E-Mail an mich.

9.Mit meiner Leidenschaft für Vini Reily brauche ich nicht hinter dem Berg zu halten. Der Mann ist einfach großartig. Somewhere ist wieder einer dieser subtil-schönen Songs, die man schwer entschlüsseln kann. Das vorliegende Album Someone Else's Party entstand kurz nach dem Tod seiner Mutter, weshalb die eine Hälfte der Lieder so eine Art Trauerbewältigung darstellt und die andere ist im Wesentlichen eine Neubearbeitung bekannter Lieder. Schlägt nicht beim ersten Mal ein, aber definitiv ein guter Song.

10.Auch definitiv top notch sind The Unicorns. Eigentlich müsstet ihr das schon selbst rausbekommen. Sie stammen aus, na, woher? Canada! Hört man schon in der ersten Songminute. The Unicorns bestehen zum Teil aus Künstlern, die auch in den Islands mitwirken. Daher sei an dieser Stelle der Verweis auf das Konzert der Islands in Leipzig in der Nato am zehnten Oktober gestattet. Der Song selbst richtig toll, auch mit Fragen die ich mir auch schon gestellt habe: Tomorrow is 2014 When I'll be 32 / And Will be 30 But will there be / enough roum for me enough oxygen for me to breathe?

11.Schrieb ich doch anfangs von Bands, die zu ihren Wurzeln zurückkehren, dann darf das in gewissem Maße für The Verves Forth gelten. Ein Album das ich voller Überzeugung als CD-Tip Nummer 3 empfehle. Dieser Song beschreibt für mich ja diese Situation: Man liegt in der Sonne, müsste eigentlich etwas tun aber irgendwie ist der Dämmertrieb zu stark, man nickt weg. The Verve beruhigen nun mein Gewissen: Feelings / Only feelings / Just worthless, so I let 'em go / And for a dream to happen / You gotta let it go, gotta let it go / Gotta let it go, gotta let it go aha. Danke für die wohl einleuchtendste Rechtfertigung zum Träumen.

12.Das vorliegende Album von Brett Anderson (verdammt sieht der gut aus, müsst euch mal die Pressephotos ansehen) läuft bei mir auf Dauerrotation. Bretts Solo ist so gelungen, neun derartig gefühlvolle Songs, die alle von Herzensangelegenheiten handeln. Das alles ohne irgendwie pathetisch daherzukommen und mit dem – mit Verlaub – Suede-Seufzer (wenn auch nur einmal, nämlich in Chinese Whispers). Wer Freude an ernsthaft und mit Können romantisierenden älteren Männern (die aber locker jedem Jüngeren noch das Wasser reichen können) hat, der sollte sich Wildernes als CD-Tip Nummer 4 empfehlen lassen.

13.Darf ich noch eine Runde großes Gefühl einleiten? Beginnen möchte ich mit einem weiteren Stück von Anthony And The Johnsons. Die Stimme leiht in diesem Titel Rufus Wainwright (enthusiastisches Kreischen bitte!). Das Lied selbst ist nicht länger als der gewöhnliche Moment absoluter Verzweiflung dauert: eine Minute und 32 Sekunden. What can I do / When the bird's got to die / What can I do / When she's too weak to fly.

14.Fortsetzen möchte ich mit Roses von ironville. Eine Band aus Schweden deren Songs alle „so“ sind: entweder geht es um die unsterbliche Liebe oder um gebrochene Herzen. Alles immer mit dieser schaumig-poppigen Haltung und der sehr guten Frontsängerin. Könnte ich mehr Schwedisch, wüsste ich noch einiges zur Band zu erzählen – so muss das Bisschen genügen.

15.In die Reihe der Liebeslieder reiht sich schließlich noch Delays Waste Of Space ein. Gleichzeitig ist es meine rhetorische Frage und Hoffnung, dass die bisherigen 60 Minuten kein Waste Of Space waren. Die Delays stammen aus Southampton und klingen ein wenig wie ein moderner Verschnitt der Cocteau Twins. Ich finde auch Ähnlichkeiten zum zweiten Album der Guillemots. Aus You See Colours von den Delays gibt es im Oktober noch einen Song, denke ich.

16.Mit 16 denkt man manchmal so komische Sachen, die eigentlich gut zu Keanes Spiralling passen: I'm waiting for my moment to come / I'm waiting for the movie to begin / I'm waiting for a revelation / I'm waiting for someone to count me in. Der Song selbst macht mich wahnsinnig. Ich hätte jede Schmusenummer (für die ich Keane wirklich abgöttig liebe) erwartet, aber nicht so einen krassen 80er Jahre Song (und das ist ein LOB – mehr davon!). Und dann auch noch immer diese Textzeilen: Did you wanna be a winner? / Did you wanna be an icon? / Did you wanna be famous? / Did you wanna be the president? / Did you wanna start a war? / Did you wanna have a family? / Did you wanna be in love? Ohh - When we fall in love / We're just falling / In love with ourselves. Was ist das genial, wenn auch nicht einzigartig. Ich spare für das Album im Oktober *sabber*

17.Ich weiß gar nicht so Recht, warum uns heute der Norden so beschäftigt. Jens Lekman ein smarter schwedischer Indie-Popper für diesen Titel. Diesmal auf romantischer Mission mit Sky Phenomenom. Ebenfalls ist mir unerklärlich, wie ich zu Lekman kam – manchmal findet auch die Musik einen selbst.

18.Zum Schluss wie immer etwas Ruhiges, was die CD so langsam ausklingen lässt. Wer wäre für intensive Ruhe besser geeignet als die Kollegen von Sigur Rós aus Island? Eigentlich nur Sigur Rós aus Island. Daher jetzt völlig unerwartet und überraschend der beste Titel aus dem ersten Album Von aus dem Jahre 1997. Darauf gibt es auch einen Titel, welcher spontan einmal vorwärts und drei Songs später rückwärts eingespielt wird. Die ersten vier Zeilen des vorliegenden Songs sind übrigens wie folgt: Skapaður í mynd manns í líki karls [der Karl?] og / Konu tvöföld var sú synd hans sgaði hans [der Hans?] / Sonur ekki hryggja heldur sefa mín lífs- / Speki alltaf rétt? Irgendwann muss doch ein Isländisch-Kurs her.

Speki alltaf rétt? - Ja, nein, vielleicht? Ich weiß es nicht, allen viel Spaß und bis zum nächsten Mal, Peter.