Sonntag, Juni 15, 2008

Mixtape auf CD 06/2008



Foreign Rendezvous (79:21, 19 Titel)

Titelliste

01. "Abgesang" - Gustav | Verlass die Stadt | 2008 | 3:57
02. "Music Now" - Frightened Rabbit | eMusic Sessions: Live At Urban Outfitters - SXSW 2007 | 2007 | 3:55
03. "Sound" - James | Seven | 1991 | 6:40
04. "Sicily" - Youth Group | Casino Twilight Dogs | 2006 | 2:10
05. "Foreign Rendezvous (Live)" - The Names | Spectators Of Life | 2001 | 4:27
06. "Juno" - Tokyo Police Club | Elephant Shell | 2008 | 2:14
07. "Til The End Of Time" - DeVotchKa | Little Miss Sunshine | 2006 | 3:57
08. "Cape Cod Kwassa Kwassa" - Vampire Weekend | Vampire Weekend | 2008 | 3:34
09. "Waalo" - Star Number One | Slow Music from Africa | 2007 | 5:50
10. "Lovers" - The Tears | Lovers | 2005 | 4:02
11. "My Time Outside The Womb" - Titus Andronicus | The Airing Of Grievances | 2008 | 2:54
12. "Gobbledigook" - Sigur Rós | Með Suð I Eyrum Við Spilum Endalaust | 2008 | 3:08
13. "Elton D'Août" - Malajube | Etienne D'Août | 2007 | 5:12
14. "Pretty In A Panic" - My Latest Novel | Wolves | 2006 | 4:19
15. "Es ist wieder Frühling" - Anajo | Hotelboy | 2008 | 2:54
16. "Every Little Counts" - New Order | Brotherhood | 1994 | 4:28
17. "Creeper" - Islands | Arm's Way | 2008 | 3:15
18. "Head On The Block" - The Mighty Lemon Drops | World Without End | 1988 | 3:38
19. "3 Seconds Of Dead Air" - The Twilight Sad | The Twilight Sad | 2006 | 8:47


Geneigtes musikinteressiertes Publikum,

herzlich willkommen bei einer neuen Ausgabe des Mixtape auf CD. Im Juni gibt es eine bunte Mischung aus kreativ verpackter Kritik am vorherrschenden Zeitgeist, ganz exquisite und auch bodenständige Rockmusik, etwas Punk findet sich und ein paar internationale Einsprenkler sind auch an Bord.

1. Den Auftakt machen wir mit Gustav. Enthusiastisches Kreischen bitte! Letzte Woche muss auch ein Redakteur bei der Zeit aufgeschreckt sein, jedenfalls fand sich in dem Blatt plötzlich ein Verweis auf Gustav. Im Grunde egal, ich und ihr alle wart eher: Wir kennen Gustav schon seit ihrem ersten Album von 2004. Gerne erkenne ich an, dass Gustav in dieser Zeit um Welten politischer, bissiger, allerdings musikalisch auch unbequemer geworden ist. Hier nun die kongeniale Eva Jantschitsch mit ihrem Abgesang. Recht hat'se, leider. Eine CD, die in keinem feministisch eingestellten Haushalt fehlen darf. Etwas (bissig-kritischen) Text gefällig? „Ich habe beschlossen/ich gehe konform/ich stelle mich richtig/und entspreche der Norm/ich wollte viel ändern/und die Jahre sie vergehn/und ich hab nichts bewirkt/und es blieb alles stehn“

2. Manchmal denke ich, Musiker schreiben ihre Titel explizit für mein Mixtape. Wie sonst soll man Music Now von Frightened Rabbit sonst erklären? Ich lege meine kulturwissenschaftliche Herangehensweise ab und wir genießen einfach ein Stück schottischer (genauer Selkirk) Musikszene auf Tour im imperialistischen Ausland (USA). Auf dem SXSW-Festival (woher auch diese Aufnahme stammt) stellte her und erklärte der Frontsänger die Beziehung zwischen Bob Dylan und einem Stück Fledermauskot. Das alles sehr einleuchtend, vielleicht auf dem nächsten Mixtape.

3. Da stellen sich mir wohlig die Nackenhaare auf. Der James-Virus ist echt gefährlich, hört man einen Song, will man irgendwie mal alle kennenlernen. Hier haben wir Sound vom charmanten Mann aus Manchester. Das dazugehörige Album Seven läuft bei mir rauf und runter. James rockt! Bleiben mir nur noch die Zeilen „Do everything you fear/In this there’s power/Fear is not to be afraid of/Laugh at the wonder of it all/Laugh so loud you break your fall.“

4. Jetzt kommt mal was Gefühlsschwangeres: Youth Groups Sicily ist repräsentativ für eine musikalisch in sich stimmige aber nicht besonders aufregende Platte. Dennoch, die Vorstellung ist sehr schön: „Babe, let's move to Sicily./Just you and me/and the Mediterranean Sea./I'd work on a scallop boat,/that would keep us afloat,/the sun would burn my throat./You'd lie beneath the shade
writing songs all day/give them to the summer haze“ und mal ehrlich, wann hatten wir zuletzt eine so schöne Textzeile: „writing songs all day/give them to the summer haze“, hm?

5. Foreign Rendezvous mag ich persönlich ja sehr gern. The Names aus Belgien klingen ein wenig wie The Cure, und letztlich funktioniert der Song auch nur über den Refrain. Also, geben wir uns den Besuchen und Besuchern außer Haus hin und schwelgen :-)

6. Meine hochgeschätzen Tokyo Police Club: Nach ihrem A Lesson In Crime dachte ich, es ginge nicht mehr höher hinaus und nun doch. Das Album Elephant Shell ist so toll, ein Rockalbum, das so richtig läuft und doch nicht zu hektisch ist. Der Frontsänger hat ne unglaublich erotische Stimme, finde ich toll. Ihr hoffentlich auch. Interpretationsansätze könnte hier vielleicht das geschätzte Publikum liefern, habe keine Ahnung was/wer hier besungen wird.

7. Die magische Titelnummer geht an einen magischen Song. Til The End Of Time ist der wohl rührigste DeVotchKa-Song überhaupt. Kostprobe: „And look at you and me still here together/There is no one knows you better/And we've come such a long long way/Let's put it off for one more day“. Der Song stammt übrigens vom Soundtrack zu Little Miss Sunshine, ein wirklich bezaubernder Film, muss man unbedingt mal gesehen haben.

8. Hinter diesem Lied versteckt sich eine Menge. Das Funktionsprinzip ist so, wie bei den Pulp-Songs, wenn sich jemand erinnert: leichtfüßige Musik, kritischer oder mindestens sozial reflektierender Text. Fangen wir also an: Cape Cod Kwassa Kwassa. Der Titel ist eine Referenz zu einem Badeort für Wohlbetuchte in Massachusetts, Kwassa Kwassa ist ein afrikanischer Tanzrhythmus, der von Peter Gabriel in den 1980er Jahren oft verwendet wurde (daher auch die Referenz). Jetzt ist es günstig zu wissen, dass Vampire Weekend aus einem eher linken College-Hintergrund kommen und Statussymbolen und Designermarken (Vuitton, Benetton etc.) eher ablehnend gegenüberstehen. Obgleich die Umgebung unserer implizierten Protagonisten sicherlich reizvoll wäre, dreht sich der Lebensinhalt um die ordentlich gemachten Betten und perfekt sitzende Sweater. Doch es lässt sich auch mit United colors of Benetton keine Erweiterung des eigenen geistigen Horizontes erkaufen und noch weniger Multikultur in der Einkaufsmeile erwerben. Alles, was bleibt, ist die Flucht in stupide Sexualität und ein unnatürliches Gefühl. Großartiges Lied, das ich gern mit euch teilen wollte.

9. Und da im vorigen Titel auch afrikanische Rhythmen anklangen, gibt es jetzt noch Weltmusik: Star Number Ones Waalo von dem wirklich schönen Mixtape betitelt Slow Music From Africa. Der Titel ist wie Lezamas Barock-Roman: Hier geht es um den Schmuck, hier geht es um die fein gezupfte Kora und das verheißungsvolle Knacken des Vinyls.

10. Suede sind zurück, heißen jetzt halt The Tears – ist mir alles recht, so lange Butler und Anderson wieder zusammen singen. Das Resultat kann sich sehr wohl hören lassen. Lovers, ein Song nicht nur für LiebhaberInnen: „Cause we are the lovers, we are the lovers/We're different colours but we stand up as one/“. Das wäre also die Vorstellung globalen Verständnisses zu Ende geträumt.

11. Dem Rock folgt der Punk auf dem Fuße. Titus Andronicus klingen ein wenig wie Conner Oberst als Leadsänger einer ziemlich coolen Rockband. Solcherlei Vergleiche taugen natürlich gar nicht viel, muss man einfach hören. Ein tolles, energetisches Album, welches eine Geschichte erzählt, nicht optimistisch aber hey, das Leben ist auch nur selten eine Frohnatur. „That's when I learned, in Glen Rock/everybody calls a spade a spade/I couldn't fool anyone/I couldn't even fool myself/I was just another book on the shelf/nothing else.“

12. Aus dem neuen Album von Sigur Rós habe ich noch den Titel Gobbledigook ausgesucht. Das neue Album trägt den verheißenden Titel: Með Suð I Eyrum Við Spilum Endalaust. Klingt unheimlich nach Animal Collective (not that this is a complaint...). Was singen unsere Isländer? Lalalalalalalalalala – endlich mal ein Text, der auch nach mehreren Bier bequem mitzusingen ist.

13. Bleiben wir doch gleich noch etwas im Norden, hier noch ein paar sehr schöne junge Männer aus Canada: Malajube mit dem Titel Elton D'Août. Ein Song von der EP und ich mag Franzosen einfach. Ich habe keinen Ahnung, was die hier singen aber es klingt schön nach Sommer. Lerne ich, wenn ich Arabisch kann. Übersetzungen/Lieddeutungen willkommen, wie immer an meine E-Mailadresse.

14. Da ich gerade eine Phase extremer Glasgow-Sucht durchlebe, hier noch eine Band aus dem Umfeld von The Twilight Sad. Sie heißen My Latest Novel und klingen für mich sehr nach Arcade Fire. Ganz wundervolle Kompositionen auf dem Album Wolves, neben dem vorgestellten Titel Pretty In Panic ist noch When We Are Wolves genial. Kann man sich durchaus kaufen, wenn die Neon Bible oder Funeral bereits textsicher mitgesungen wird.

15. Wo wir gerade von schön sprachen, musste ich an meine Lieblingsaugsburger denken: Anajo. Maaan, der Herr Gottwald kann Texte, die ultrakitschig sind, in wahre Perlen verwandeln. Dass Anajo eine der wenigen Deutsch-Pop-Bands sind, die auch noch deutsche Standardsprache fehlerfrei verwenden können, stellten wir ja bereits vor einem Jahr in diesem Medium fest. Schön, dass sich das gehalten hat und nun kann/soll der Sommer kommen.

16. Wie versprochen hier nun ein weiterer Titel von New Orders ersten drei Alben. Diesmal von Brotherhood. Der Song heißt Every Little Counts und was man sicher sagen kann, ist dass einzelne Textpassagen beim Singen plötzliche Lachanfälle provozieren. Was aber nicht von ungefähr kommt: „Every second counts/When I am with you/I think you are a pig/You should be in a zoo“.

17. Gegen Ende präsentiere ich nochmals etwas aus Canada. Diesmal die Islands mit ihrem wirklich genialen Song Creeper. Ich finde, das ist ein sehr atmosphärischer Titel, kreiert so eine Spannung, die schwer zu beschreiben ist, zumal ich auch noch nicht ganz sicher bin, in welche Richtung das Ganze textlich geht.

18. Als vorletzten Titel noch eine Nummer von vier, damals sicher sehr nett anzusehenden Jungs in Röhrenjeans und Lederjacken: The Mighty Lemon Drops aus den Midlands. Was zunächst klingen mag wie ein Bunnymen-Cover entwickelt durchaus eigene Dynamik. Head On The Block hat für mich auch noch eine Spur BRMC. Insgesamt eine schöner Song von einem noch viel stimmigeren Album. Aber das war eben Ende der 1980er, da gabs das Album als Konzept auch noch...

19. Der Rausschmeißer auf diesem Mixtape ist fabelhaft. Jetzt wäre der Moment um die Stereoanlage ganz laut zu drehen (so das denn noch geht), sich davor zu setzen und die Augen zu schließen. So, liebe Leute klingt großartige Rockmusik aus Glasgow, klingen The Twilight Sad. Und das, das darf man jetzt acht Minuten lang genießen. Aus musikalisch-ästhetischer Sicht ein absolutes Understatement, einen solchen Song, mit 3 Seconds Of Dead Air zu benennen. Euch weiterhin erhellende Momente und Erkenntnisgewinne. Bis zum nächsten Mixtape auf CD.

Donnerstag, Mai 15, 2008

Mixtape auf CD 05/2008




The Clockwise Witness (19 Titel, 80:53)

01. "Tumbling Down (Dead. Mono Version)" - Eskobar [Til We're Dead, 2000] 3:36
02. "Dark Leaves Form a Thread" - Destroyer [Trouble In Dreams, 2008] 3:36
03. "Babies" - Pulp [Intro. The Gift Recordings, 1993] 4:05
04. "Groupmegroup" - Liquid Liquid [Rough Trade Shops - Post Punk 01, 2003] 3:18
05. "Age of Consent" - New Order [Power, Corruption & Lies, 1986] 5:16
06. "Saman Me" - Yamoah's Band [Slow Music from Africa, 2007] 4:23
07. "I Worship The Sun (Album Version)" - Felt [Crumbling The Antiseptic Beauty/The Splendour Of Fear, 1986] 4:16
08. "Wedding Song" - The Psychedelic Furs [The Psychedelic Furs, 1980] 4:20
09. "Temptation" - Heaven 17 [Trainspotting #2, 1997] 3:05
10. "Disco Sheets" - Wolf Parade [Wolf Parade, 2005] 2:59
11. "Haystack" - Kevin Hewick & New Order [From Brussells With Love, 1980] 3:39
12. "étrange comme je taime" - DobaCaracol [Étrange comme je taime, 2007] 3:37
13. "Oxygen" - JJ72 [JJ72, 2000] 3:42
14. "Nightshift (Live)" - The Names [Spectators Of Life, 2001] 3:20
15. "Clarion" - Guillemots [Red, 2008] 4:04
16. "The Clockwise Witness" - DeVotchKa [A Mad & Faithful Telling, 2008] 4:37
17. "Booboo Man (Mama, Look at Bubu)" - Lord Melody [Calypso Awakening from the Emory Cook Collection, 2000] 4:22
18. "Running The World" - Jarvis Cocker [Jarvis, 2006] 4:47
19. "Light My Fire" - The Doors [30 Years Commemorative Edition, 2001] 9:42

Aus dem Booklet:

Liebes musikinteressiertes Publikum (jaaa!),

nach etwas mehr als einem Jahr Mixtape auf CD habe ich eine gender- und geschlechtspezifisch verhakelungsfreie Anredeformel gefunden, Yipeee! Ganz euphorisch gibt sich diesmal auch die Musikauswahl. Nachdem sich meine CDs, wie ich neulich erfuhr, auch als Weitergaben auf Kassette an Freunde großer Beliebtheit erfreuen, versuchen wir heute mal gutgelaunte aber keinesfalls oberflächliche Frühlingsmusik. Im beiliegenden Fragebogen, würde ich gern wissen, wie die Mixtapes auf CD bisher bei euch so ankamen. Vielen Dank fürs Ausfüllen an dieser Stelle.

1. Los geht es mit den charmanten Jungs von Eskobar. Ihr gewichtig betiteltes Album "Til We're Dead" bietet eine konsistente Auswahl mehr oder minder gefühlsbezogener Popsongs, unter denen mir Tumbling Down (Dead. Mono Version) als geeignet erschien, diese CD zu eröffnen. Kommen wir also erstmal runter.

2. Ans Runterkommen schein Dan Bejar aka Destroyer noch lange nicht zu denken, seine Diskographie umfasst mal eben 7 Alben in 8 Jahren. Das der Kanadier dabei alles andere als langweilig wird, zeigt Dark Leafs From A Thread; immer singt er kleine Juwelen von Geschichten, immer irgendwie seltsam aber doch verständlich zugleich. Und ich mag seine sehr markante Stimme und den poppigen Charakter der Songs, manchmal fast hymnisch.

3. Ich wünsche manchmal ich wäre älter, so knapp 10 Jahre vielleicht. Ich würde in der Zeit zurückreisen um Jarvis Cocker mit Pulp auftreten zu sehen und Songs, wie Babies, live mitzuerleben. Für den Moment bleibt mir nicht mehr als auf die soziokritischen Bezüge in Pulps Texten hinzuweisen; immer geht es in einer Weise um Kids aus den britischen Vorstädten, semibiographische Kindheitserinnerungen und dergleichen mehr untermalt mit überbordender Popmusik: "And she came round four/and she was with some kid called David/from the garage up the road."1

4. Gerade haben wir gesehen, wie Popmusik über kritische Texte Aufsehen erregt, hier jetzt der Umkehrfall: Aufsehen durch ungwöhnliche Musik. Liquid Liquid, eine post-punk-Formation aus New York, aktiv zwischen 1980 und '83 bringen eine fast schon weltmusikalisch anmutende Nummer mit dem etwas sperrigen Titel Groupmegroup. Zwischendrin viel Perkussion und ein Text, der mich persönlich an The Godz denken lässt, was letztlich nicht von ungefähr kommt, waren The Godz ja stilprägend für dieserlei Punkmusik2.

5. Gut, zurück nach Großbritannien: Nachdem sich mir über Nacht New Order erschlossen haben, bin ich selbsterklärter Riesenfan ihrer ersten 3 Alben. Häppchenweise gibt es jetzt ganz besonders gute Titel daraus in den kommenden Monaten. Diesmal habe ich Age Of Consent herausgesucht. Einerseits ein Lovesong ("And I'm not the kind that likes to tell you/ Just what I want to do/I'm not the kind that needs to tell you/Just what you want me to."3), andererseits auch die musikalische Umsetzung des Problems, einer durch Minderjährige angeregten Liebesbeziehung zu Erwachsenen: Wie sich verhalten, was tun, was nicht? "You're not the kind that needs to tell me/About the birds and the bees/Do you find this happens all the time/Crucial point one day becomes a crime."4

6. Schauen wir doch mal, was uns zu Westafrika so einfällt. Da hätten wir ein paar erdölproduzierende Länder, ja, gut, nicht übel, eine ganze Hand voll Megacitys, Urwälder, Elfenbeinküste, ungelöste politische Konflikte und Musik. Dass die Westafrikaner nicht nur Reggae oder/und Hip Hop können, sondern auch sehr interessante, bodenständige Folklore mit einem Hauch Popmusik machen, hat mir dieser Tage das Mixtape Slow Music From Africa bewiesen. Für alte und neue Freunde afrikanischer Musik hier nun Saman Me von Yamoah's Band.

7. Dass nun Felt mit I Worship The Sun folgt, trifft sich ja ganz gut, wo wir gerade musikalisch noch in sonnigen Gefilden weilten. Felt ist eine englische Band aus den 1980ern, heute zu Unrecht etwas vergessen, immerhin leben sie aber in den Songs von Belle & Sebastian beispielsweise weiter. Für mich klingen sie auch nach The Durutti Column und stimmlich denke ich gelegentlich an einen Jarvis Cocker. Das Werk liest sich witzig: 10 Jahre Bandgeschichte, 10 Singles, 10 Alben - ich wünschte, das würde man auch über mich sagen.

8. Die folgende Spitze kann ich mir nicht verkneifen: Dies ist mein Song für alle Heiratswilligen. Abgesehen davon, dass die Jungs von The Psychedelic Furs absolut super aussehen und auch wieder hocherotisch singen, hält Wedding Song noch sympathische Textstellen bereit: "make a line of useless women/make a line of useless men/love me love me love me love/again again again again/we're useless/we're useless/completely."5

9. Hochzeiten bedeuten ja auch immer etwas Kitsch und Kitsch, so habe ich neulich erst wieder behandelt, ist die unterste Stufe der Populärkultur und bedient über kapitalistische Verwertungsmechanismen unsere Emotionen, gehört somit hier direkt hinter die Hochzeit. Bei Heaven 17s Temptation frage ich mich oft, waren die 1990er wirklich so schrecklich? Damals klang das gar nicht SO furchtbar. Sei es drum, außergewöhnlich ist eine Bewertung, die in beide Richtungen der ästhetischen Skala funktioniert...

10. Auschließlich einseitig lassen sich die Werke aus der Feder Spencer Krugs bewerten und folglich bin ich ganz zappelig in Hinblick auf das neue Wolf Parade-Album im Mai. Für die Zwischenzeit habe ich uns Disco Sheets von der EP rausgesucht.
"everybody got their lid on tight/everybody says come with me/i'm easy and then we'll see/ who's got the secrets/so if you're looking for romancing/i've got answers /with dancers that will never say come with me"6 ergo: nimm mich, ich habe immerhin das Versprechen auf ne Romanze, alle anderen wollen dich nur flachlegen.

11. Wer nun Lust auf Romantik bekommen hat, dem kann mit New Orders Haystack geholfen werden. Man male sich aus, man selbst + PartnerIn werfen sich ins Heu und tun, was Verliebte halt tun. Dazu der gefühlsschwangere Singsang von Bienen, Vöglein und frischer Luft.

12. Und wo wir gerade bei so positiven Sachen sind, gibt es noch die buntkulturelle Mischung von DobaCaraco, die mal abwechselnd auf Portugiesisch, Spanisch, Englisch und Französisch singen. Eine Gruppe aus Kanada mit dem Zeug für den Sommerhit, die auf dem Cover mal eben nackt posiert, obgleich es sich nur um jugendfreie Rückenansichten handelt. Ist halt noch kein Hochsommer...

13. Im Hochsommer der Gefühle befindet sich meine emotionalste Gruppe schlechthin: JJ72. Ich liebe sie für ihre "weichen Knie". Kein Album in der letzten Zeit hat mich emotional so erfasst. Wenn Mark Greaney sich verausgabt, leide ich gleich mit und ich kann voll verstehen, dass man dann keinen Sauerstoff braucht, dann heißt das Oxygen nämlich Gefühl durch Musik. Herrlich und so authentisch.

14. Auch authentisch, weil live sind The Names. Als beglischer Factory-Emporkömmling der 1980er hat sich zeitlebens leider nie jemand so richtig für sie interessiert. Das kann nicht wieder gut gemacht werden, aber immerhin hat Nightshift locker das Zeug zum Ohrwurm. Vielleicht ist nächsten Monat Platz für ihr Foreign Rendezvous, gleichermaßen cool.

15. Über die Guillemots müsste ich Bücher schreiben. Ich will versuchen, kontrolliert von Clarion und ihrem neuen Album Red zu schwärmen. Also Clarion weil dieser Beat so subtil ist und weil Clarion eine geniale Synthese aus den ganz perkussionslastigen Titeln des neuen Albums und dem bewährten Stoff des alten ist. Darüberhinaus schätze ich die positive Musik und die manchmal endlos traurigen Texte. Vermutlich liegt diese Mischung am Einfluss Herrn Magrãos...

16. Bleiben wir doch gleich auf dem amerikanischen Kontinent; DeVotchKa aus den Vereinigten Staaten betreiben eine äußerst angenehme Mischung aus Balkanrythmen und anglophonen Texten. In The Clockwise Witness könnte es textlich um das Ende einer Liebesbeziehung gehen, aber letztlich weiß das nur der Künstler selbst. Lauschen wir also einfach diesem Song und machen uns individuelle einen Reim darauf. Ich liebe diesen Rhythmus hier.

17. Lord Melody habe ich echt ins Herz geschlossen. Völlig unvorbereitet kam eines Tages im letzten Jahr der Calypso zu mir, er suchte mich geradezu heim. Seitdem kann ich tun was ich will, meine Sammlung Calypso vergrößert sich ständig. Lord Melody ist einer DER Interpreten dieses oftmals so herrlich (selbst-)kritischen Genres. Booboo Man ist beinahe schon Kabarett, halt nur aus der schwarzen Kultur und umwerfend bissig. Was auch herrlich ist, ist wie das Publikum mitgeht und Lord Melody rumalbert. Calypso ist so herzlich, toll.

18. Auch von Herzen aber aus ganz anderer Ecke kommt der vorletzte Song. Jarvis Cocker präsentiert uns in Running The World noch ein Mal die Wahrheit auf dem Silbertablett:
"If you thought things had changed /Friend, you'd better think again /Bluntly put, in the fewest of words:/Cunts are still running the world."7 besonders wahr ist auch: "The free market is perfectly natural/Do you think that I'm some kind of dummy?/It's the ideal way to order the world."8 Dem bleibt nichts hinzuzufügen außer:

19. "Try now we can only loose and end up a funeral pyre" In diesem Sinne möge sich mit The Doors' Light My Fire (auf standesgemäße 9:42min psychedelische Perfomance ausgedehnt) auch euer Feuer irgendwo, irgendwie und irgendwann in erhellenden Momenten entzünden. Beste Grüße hinterlässt Peter.
_________

1 Und sie kam gegen vier/und war zusammen mit einem Kid genannt David/von der Garage gleich die Straße rauf.
2 Vergleiche die Ausgabe Punk On New York's Lower East Side.
3 Und Ich bin nicht derjenige der dir sagen möchte/was ich gern tun würde/Ich bin nicht derjenige, der dir sagen muss/was du mich verlangst zu tun.
4 Du bist nicht der/diejenige, der/die mir über/die Vögel und Bienen reden muss/Du denkst, dass passiert die ganze Zeit/Der entscheidende Punkt: eines Tages wird es eine Straftat.
5 stellt eine Schlange von nutzlosen Frauen auf/stellt eine Schlange von nutzlosen Männern auf/lieb mich lieb mich lieb mich/wieder wieder wieder wieder/wir sind nutzlos/wir sind nutzlos/gänzlich.
6 Alle halten sich bedeckt/jeder sagt komm mit mir/ich bin einfach und wir werden sehen/wer die Geheimnisse hat/wenn du also nach einer Romanze suchst/habe ich die Antworten/mit Tänzern die niemals komm mit mir sagen werden.
7 Wenn du dachtest, die Dinge hätten sich geändert/Freund, dann denkst du lieber noch einmal/brüsk gesagt, in den wenigsten Worten:/Schlampen regieren noch immer die Welt.
8 Der freie Markt ist ganz normal/Glaubst Du Ich bin so etwas wie ein Dummkopf?/Es ist die ideale Weise die Welt zu befehligen.

Dienstag, April 15, 2008

Mixtape auf CD 04/2008


This Is The One (20 Titel, 80:04)
01. "Bomba Ião" - Balacabala (Balacabala, 2007): 4:57
02. "20 Hours" - Black Rebel Motorcycle Club (Berlin (7''), 2007): 4:58
03. "New Generation" - Suede (America Is Not The World - Britain Neither, 2008): 4:34
04. "Cottage Industry" - Yeah Yeah Noh (Leicester Square, 1986): 3:45
05. "Sing" - Blur (Trainspotting, 1996): 6:00
06. "Bumble Bee" - JJ72 (America Is Not The World - Britain Neither, 2008): 3:44
07. "This Is The One" - The Stone Roses (The Stone Roses, 1989): 5:00
08. "Evidently Chickentown (Live)" - John Cooper Clarke (Control, 2007): 0:31
09. "Mile End" - Pulp (The Peel Sessions, 2006): 4:29
10. "Everyone Thinks He Looks Daft" - The Wedding Present (George Best Plus, 1997): 4:10
11. "Crucified" - Army of Lovers (Crucified (Single), 1992): 3:22
12. "Get Over It" - Guillemots (Get Over It, 2008): 3:49
13. "Bá/Ch'ain" - Christian Wolz (Danse Macabre Sampler II, 1992): 4:08
14. "Sad Song" - Lou Reed (Berlin, 1973): 6:58
15. "Mastermind" - The Divine Comedy (Regeneration, 2001): 5:21
16. "Green Treefrog (Hyla Cinerea) (From Sounds of North American Frogs)" - Unspecified (Smithsonian Folkways Sampler: A Sound Legacy--60 Years of Folkways Records and 20 Years of Smithsonian Folkways Recordings, 2008): 0:18
17. "Black Satin" - The Raveonettes (Lust Lust Lust, 2007): 2:39
18. "All the time" - EnemynatioN (Unbekannt, 2005): 4:38
19. "Ahora Sí (plena) (From Viento de Agua Unplugged, 2004)" - Viento De Agua (Smithsonian Folkways Sampler: A Sound Legacy--60 Years of Folkways Records and 20 Years of Smithsonian Folkways Recordings, 2008): 3:31
20. "Get Out" - New Order (Control, 2007): 2:44

Aus dem Booklet:

Liebe Mixtape auf CD-Empfänger und Empfängerinnen,
der April macht bekanntlich was er will. Das soll auch diesmal mein Motto sein; ich tue, was mir sehr am Herzen liegt. Eines muss ich noch loswerden: Kassetten sind so viel toller als CDs, man hat 10 Minuten mehr Platz. Die fehlen mir beim Zusammenstellen dieser CD oft. Nun aber 80 Minuten Musik:

1.Manchmal bin ich richtig zufrieden. Das ist immer dann der Fall, wenn ich Musik entdecke, die mich fesselt. Diesen Monat startet das Mixtape auf CD mit Balacabalas fesselndem Bomba Ião1. Ich schätze, dass was die Brasilianer (sind Paulistas2) hier abliefern, läuft unter Avantgarde Fusion. Meine Herren & Damen, selten so etwas Aufregendes gehört. Übrigens, wenn's mit dem Bandnamen nicht so recht klappen will, je schneller man es sagt, um so einfacher wird es. In doppelter Lesegeschwindigkeit nachsprechen:Balacabala-Balacabala-Balacabala3. Und grandios, wie die Dame dann noch einsteigt und so zart dahinsäuselt...

2.Black Rebel Motorcycle Clubs 20 Hours stammt aus einer Vinyl-Single, die Daniel mal gewonnen und bei uns eingelagert hat, da er selbst keinen Plattenspieler hatte. Nun kann der - wie ich finde - sehr schöne Song in digitaler Form und bei euch auch semi-analog, auf CD, weiter existieren. Thematisch: Vertonung von Liebessehnsucht.

3.Der wird schwierig, ach, wobei, eigentlich ist es mit die tollste Sache der Welt: Was macht man, wenn man ein (wohlgemerkt "richtiges", also auf Kassette) Mixtape geschenkt bekommt? Genau, Peter freut sich darüber immens. Und da angesprochenes Mixtape so exquisit ist, gebe ich einfach ein paar Titel daraus weiter. Hier Suede, hatten wir bereits im März mit Animal Lover, mit dem ganz tollen Song New Generation: But she and I, we soon discovered / we'd take the pills to find each other: ergo richtig große Liebe.

4.Au ja, jetzt kommt wieder das Educational Bit. Diesmal: early 1990's British Music. Zunächst Yeah Yeah Nohs Cottage Industry. Das ist der zynische Song einer Band aus Leicester, der Gewinnen und Verlieren gesellschaftlich betrachtet. Erinnert klanglich an The Fall, ganz späte 1980er. Coverbild erinnert mich an den Blick aus meinem Fenster, direkt auf den Steg.

5.Ich weiß gar nicht, wie ich das hier ankündigen soll. Sing ist einer der genialsten Blur-Songs die mir bisher untergekommen sind. Ich stelle einfach den Text hier hin, da muss jeder selbst was draus machen: I can't feel/ 'Cos I am numb / I can't feel / 'Cos I am numb / So what's the worth in all of this / What's the worth in all of this / Sing to me / So what's the worth in all of this / If the child in your head / If the child is dead / Sing to me4. Song aus den 1990ern, Unterschied bemerkt? Gut.

6.Noch einer aus dem mir geschenkten Mixtape. Fand eigentlich sehr herrlich, was mein Mäzen darüber gesagt hat: JJ72 waren eine Band, mit einem Frontsänger, der vor dem Stimmbruch singen konnte wie eine Frau. Danach war es mit dem Erfolg vorbei, dennoch ist Bumble Bee ein wahnsinnig packender Song. Ein anderer Kritiker schrieb: "[...] die Platte einer Band, die sich überall und nirgends bedient, sich aus allen Welten nur das beste holt und eine unspektakuläre, aber in ihren Songs meist stimmige Platte zustande bringt, die von ihrem Mut und ihrer Leidenschaft zeugt, aber mitunter noch etwas weich in den Knien wird. Ein Debüt eben." Charmant gesagt!
Die Anspielung mit der Hummel decke ich hier nicht auf, bleibt geheim, habe ich versprochen.

7.Weiter gehts mit der Bildung: Madchester5 1980er! The Stone Roses, genau! Einflussreich für alles, was ab 1990 sich in Großbritannien musikalisch getan hat. Ian Brown und Band legen ganz gemütlich los und dann wird ein echter Ohrwurm draus. Lebt weiter in: Arctic Monkeys, Blur, The Charlatans, Coldplay, Suede, The Verve etc. Muss man also kennen :-)

8.John Cooper Clarkes Evidently Chickentown möchte ich fast das Hörbuch für die Postmoderne labeln. Warum? Also: Es beinhaltet mit "fucking" die stilprägende Vokabel schlecht hin, dauert ziemlich genau 31 Sekunden (unterbietet damit knapp die durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne des postmodernen Otto oder Lieschen Müller) und ist kein Song, sondern fast schon zeitgemäß gerappt.
Kann mal jemand schnell zählen, wie oft "fucking" darin vorkam? Belohnen würde ich derartige mathematische Höchstleistungen mit einem spendierten Kaffee/Tee/Kakao. Ergebnisse wie immer per E-Mail an mich.

9.Weiter geht es in der Popgeschichte. Pulps Mile End ist das Stück für die 1990er in sozialer Hinsicht. Hinter der bemerkenswerten musikalischen Seite verbirgt sich eine recht akkurate Zeichnung der Zustände britischer Vorstädte jener Zeit:
It smelt as if someone had died; / the living-room was full of flies, / the kitchen sink was blocked, / the bathroom sink not there at all.6
und ein paar Zeilen später kommentiert Herr Cocker: Below the kids come out tonight, / they kick a ball and have a fight / and maybe shoot somebody if they lose at pool.7
Wie gesagt, bemerkenswerter Song, weil musikalisch leichtfüßig, inhaltlich anspruchsvoll.

10.Nochmals Musikgeschichte, hier eher etwas, was sonst im Archiv verstaubt. The Wedding Present mit Everyone Thinks He Looks Daft waren musikalisch wichtig, schnelle Gitarrenrhythmen, die später ja oft zu hören waren. Ein feiner Song, vorgetragen im Duo, handelt von Liebe und Eifersüchteleien. Kurzversion: Jeder denkt, er sieht blöd aus [aber er ist es nicht].

11.So, jetzt ist mal Zeit für einen echten Stilbruch. Diverse Male wurde mir schon vorgeworfen, mein Musikgeschmack sei unmöglich. Solche Zuschreibungen erfreuen mich natürlich, machen mich fast schon stolz. Und in dieser Tradition gibt es eine ganz unmögliche 1990er-Nummer von Army Of Lovers, der wohl androgynsten Band jener Zeit. Ach, ist das trashig, wenn wir uns alle genug darin gesuhlt haben, machen wir mit dem nächsten Titel weiter - keinesfalls eher!

12.Wer gedanklich noch bei Army Of Lovers ist, dem schreie ich entgegen: Get Over It, Whooohohoo. Oh ja, dieser CD habe ich wirklich entgegen gefiebert. Aus dem brandneuen Album Red von den Guillemots stammt Get Over It. And you want my side, my side of the story? Well, I want you, I want you like I am eighteen but I am tied to my babe...8

13.Von einer Schallplatte aus Davids Fundus stammt das ziemlich aufregende Bá/Ch'ain von Christian Wolz. Ich kannte den ja wieder mal gar nicht vorher. Das ist ein Stimmperformance-Künstler, der solche Kehlkopflaut-Sachen macht. Der ist auch schon im Völkerschlachtdenkmal zu Leipzig aufgetreten. Vor der Zersetzung auf Vinyl bewahrt, macht er nun für euch Kunst auf dem Mixtape.

14.Bildung ist eigentlich das Beste, was euch passieren kann, hört nur mal.
Wusstet ihr, dass Berlin eine ganz bedeutsame Rolle für die Popmusik inne hat? Eine Reihe von mir geschätzter Künstler hat Alben dort aufgenommen Lou Reed 1973er Berlin, Bowies 1977er Low, Rufus Wainwrights 2007er Release The Stars, um mal einige zu nennen. Sad Song von Lou Reed ist ein musikalisch unheimlich schöner, textlich aber ziemlich verstörender Song. Er zeigt, wie man sich irren kann (und wie gut es musikalisch klingen kann, wenn man beschließt, sich selbst wieder aus der Grube zu ziehen - Go for it, Lou, go for it!).

15.Jetzt breche ich mal eine Lanze für die lokale Community: Fast an der Kreuzung Karl-Liebknecht-/Kurt-Eisner-Straße gibt es mit Whispers Records einen Plattenladen, der nicht nur recht gut sortiert ist, sondern auch sehr vernünftige Preise bietet. Kauft CDs doch in Zukunft mal dort. Ich habe mir neulich dort The Divine Comedys Regeneration, aus welchem wir jetzt Mastermind hören, gekauft. Ein Song über über Menschen, wie wir alle. Und das erfreuliche Resultat Neil Hannons musikalischen Nachsinnens: So tell me what the hell is normal and who the hell is sane? / And why the hell care anyway? / All the dreams that we have had are gonna prove that we're all mad and that's OK9

16.Nach so viel philosophischem Input, hier mal etwas Gegenständlicheres. Wer schon immer mal wissen wollte, wie ein Grüner Baumfrosch klingt, der kann hier nun das faunistische (Halb-)Wissen erweitern. Gefunden habe ich das auf einem Smithsonian-Sampler. Lustiger Einfall.
17.Ein wirklich außerordentlich schönes und, ach, wohlfühliges Album ist Lust Lust Lust von The Raveonettes aus Dänemark. Und, ist Black Satin ein schöner Song. Hmm, so schön. Dieses Album nehme ich ein paar Wochen lang auf JEDE Frühlingswiese mit. Traumhaft.

18.Ja, auch hier im Saalkreis und speziell in Halle haben wir gute Musik und tolle Künstler. Irgendwann mal beim SchwuLesBischen Straßenfest in Halle aufgetreten sind EnemynatioN und einige Songs blieben mir im Ohr. Im Internet gibt es auch ihr Subzero, das ist auch ganz toll. Für heute erstmal All the time, Musik, ganz echt, aus dem hallenser Umland. Richtig niedlich war der Sänger auch *schäm*

19.Mit Ahora Sí erlaube ich mir noch ein Mal etwas Schwung hinein zu bringen. Dieser erfrischend rhythmische Titel stammt ebenfalls vom angesprochenen Smithsonian-Sampler. Klingt ein wenig wie die Familie Cruz10 aus Peru, finde ich.

20.Der Rausschmeißer ist diesmal ganz wirklich einer. Get Out von New Order, ebenfalls auf dem Soundtrack zu Control, der mich wirklich begeistert hat: da war alles von schön bis sehr, sehr schräg drauf. So muss ne ordentliche CD sein! Geschissen auf die sogenannte "Durchhörbarkeit" meint Euer Peter.
__________

1 brasil. Portugiesisch: Die Bombe Iaos. Ião/Iao ist eine mystische Gestalt, taucht unter anderem im Sanskrit auf.
2 Bewohner von São Paolo, fünft größte Stadt weltweit nach Einwohnerzahl.
3 Balacabala: ist zunächst mal kein Wort aber könnte eine Zusammensetzung mit "cabála", was Kabale bedeutet, sein.
4 Ich kann nicht fühlen / denn ich bin taub / ich kann nicht fühlen / denn ich bin taub / Was ist nun der Wert in alledem / Was ist nun der Wert in alledem / Wenn das Kind in deinem Kopf / Wenn das Kind tot ist / Sing zu mir
5 Madchester: musikalische Bewegung in der Stadt Manchester, auch Manchester Rave genannt, während der späten 1980er und frühen 1990er Jahre. Katalysator: der Klub The Hacienda und das ansässige Label Factory Records.
6 Es roch, als wäre jemand gestorben / das Wohnzimmer war voller Fliegen / Der Küchenabfluss war verstopft / Im Bad gleich gar nicht vorhanden
7 Nachts kommen die Kids auf die Straße / Sie kicken einen Ball, haben einen Kampf / und schießen auf jemanden, wenn sie beim Pool verloren haben
8 Und du willst meine Version dieser Geschichte? Nun, ich woll dich, will dich, als wäre ich Achtzehn doch ich bin an mein/e Liebste/n gebunden
9 Also sag mir, was zur Hölle ist normal und wer zur Hölle ist vernünftig? / Und warum zur Hölle sich überhaupt darum sorgen? / Alle die Träume, die wir hatten, werden zeigen, dass wir alle verrückt sind und das ist okay
10 Nicomedes Santa Cruz und Victoria Santa Cruz; machen beide so afroperuanische Musik. Mindestens Victoria war schon auf dem Mixtape auf CD dabei

Donnerstag, März 20, 2008

CC-Insider unter BY-NC-SA

Das nennt man für gewöhnlich wohl einen Insider. Aus einem Gespräch über Creative Commons-Lizensmodelle für "Erwachsenen-Kunst":
Creative Commons License This work is licensed under a Creative Commons Attribution - Non Commercial - Share Alike License.

und
Yes, it really is BY-NC-SA, which is a shame, maybe they can be persuaded to switch to BY-SA

Meint noch einer daraufhin:
Shouldn’t that be BI-SA?
Never mind..

Und Nummer 3 schießt den Vogel ab & rettet mir den Tag:
BD-SM is very popular but some people consider it a bit restrictive…

Samstag, März 15, 2008

Mixtape auf CD 03/2008




Animal Lover (17 Titel, 80:00)

01. "Idealistic" - Digitalism (Idealism, 2007): 4:11
02. "Rebel Prince" - Rufus Wainwright (Poses, 2001): 3:44
03. "Shadowplay" - The Killers (Control, 2007): 4:11
04. "Let's Dance To Joy Division" - The Wombats (A Guide To Love, Loss And Desperation, 2007): 3:13
05. "Bizarre Love Triangle" - New Order (Singles, 2005): 4:22
06. "Say Hello Wave Goodbye '91" - Soft Cell (The Dark Side, 2004): 5:22
07. "Traverse" - Audrey (Visible Forms, 2006): 6:18
08. "Through The Windowpane" - Guillemots (Through The Windowpane, 2006): 3:38
09. "Wátina (I Called Out)" - Andy Palacio (Wátina, 2007): 4:44
10. "Animal Lover" - Suede (Suede, 1993): 4:18
11. "Devil (Demo Version)" - David & The Citizens (1999 - 2005, 2006): 2:25
12. "Fyrepond" - Kiln (Dusker, 2007): 4:17
13. "Master of the bump (Kurt Stumbaugh, I can feel the soil falling over my head)" - Xiu Xiu (Women as Lovers, 2008): 3:57
14. "To Die" - Decoder Ring (Fractions, 2005): 3:26
15. "Warszawa" - David Bowie (Control, 2007): 6:21
16. "One Night On Earth" - The Veils (One Night On Earth, 2007): 4:10
17. "Autobahn" - Kraftwerk (Control, 2007): 11:23

Aus dem Booklet:

Liebe Mixtape-Konsumenten und Konsumentinnen,

ein neuer Monat bricht an und folglich ist es auch wieder Zeit für ein paar musikalische - wie ich hoffe - Neuentdeckungen. Was mir noch am Herzen liegt: Warum sind CDs bei uns so teuer und in Irland so preiswert? Und, ach ja, liebe Musikindustrie, ich weiß, du möchtest dich gerne von CDs verabschieden, ich aber mag sie recht gerne und würde daher auch in 10 Jahren noch die Möglichkeit haben wollen, CDs zu erwerben. Danke & nun viel Spaß mit der Musikauswahl im März.

1.Dieser Titel hätte auch ganz gut auf die CD vom Januar gepasst: Idealistic von Digitalism, einer der Bands mit dem wohl bestfrisiertesten Frontmann1. Kostprobe? Hier I had the idea that you were here...

2.Aus Irland habe ich mir Herrn Wainwrights Poses mitgebracht. Auf dieser Platte beweißt er, dass er alles andere als ein Poser ist; mir fiel die Wahl zwischen den vielen guten Titeln sehr schwer, aber ich glaube Rebel Prince ist ein guter Kompromiss. Darüberhinaus ist es ein textlich sehr solider und musikalisch sehr elaborierter Lovesong. Ich meine, man höre nur mit wieviel Selbstbewusstsein er diese Höhen quasi "hinwirft", man beachte seinen Gesichtsausdruck dabei. Okay, ich verliere mich in subtilen Erotisierungen meiner Lieblingsinterpreten...

3.Offengestanden weiß ich über The Killers gar nichts. Wirklich. Ich habe ein Lied auf einem Mixtape von Daniel, mehr aber auch nicht. Nachdem ich Control2 (sehr empfehlenswert) im Kino gesehen habe, orderte ich den Soundtrack und für euch ist davon das grandiose Joy Division-Cover Shadowplay herausgesprungen.

4.Okay, das tue ich jetzt wirklich nur, weil es sich thematisch aufdrängt. Die Platte von The Wombats ist alles andere als abwechslungsreich, ich habe sie nicht an einem Stück durchhören können, zu viele "huhus" und "woahs" andauernd. Ich sage nicht, sie ist schlecht, aber gemessen am steilen Aufstieg der Gruppe, prophezeie ich ein allzu schnelles Vergessenwerden. Wie gesagt, thematisch passend: Let's Dance To Joy Division.

5.Nachdem wir Joy Division abgearbeitet haben, liefere ich der Vollständigkeit halber auch gleich noch die Nachfolgeband: New Order mit Bizarre Love Triangel. Ein Song über die emotionalen Schwierigkeiten geheimer Liebschaften, aber, hey, erotische Geheimniskrämerei finde ich eigentlich auch ganz prickelnd...

6.Neulich laß ich, dass die Musik der 1980er Jahre sehr gefühlsbetont wäre, von unerfüllten, unmöglichen Liebesverhältnissen und Drogenerlebnissen handelte. Ja, was soll ich sagen. Wir haben hier mit Soft Cells Say Hello Wave Goodbye '91 ein sehr gutes Beispiel für die erste Kategorie. Da ich mich für nichts schäme: Ich finde den Song richtig Klasse, lacht nur...

7.Aus dem Jahr 2006 stammt Traverse3 von Audrey. Wir haben sie bereits mit Mecklenburg auf der letzten Mixtape-CD gehört. Traverse ist eine dichte, ruhige Nummer, die mich insbesondere durch die fast schon choralen Gesangspassagen der ausschließlich weiblichen Bandmitglieder beeindruckt hat.

8.Ich konnte nicht klären, warum Fyfe Dangerfield in Through My Windowpane singt Woke up with a shoe in my mouth aber es wird eine ganz plausible Erklärung dafür geben. Dabei steht den Guillemots normalerweise der Sinn gar nicht nach Erklärbarkeit. Vielmehr sind ihre Songs Kunstwerke, die einen irgendwie immer betreffen, sie machen fröhlich und traurig, ohne dabei hoffnungslos daherzukommen oder erklärbar zu sein. Ach ja, und sie haben mit Herrn Magrão einen Brasilianer in der Band :-D

9.So, für die Garfinuna-Sprecher unter meinen Rezipienten: Mit Andy Palacio (leider viel zu früh im Januar diesen Jahres verstorben) präsentiere ich euch den kulturellen Botschafter dieser belizischen Ethnie. Wátina, sagt ja die englische Übersetzung, heißt so viel wie "ich rief es hinaus" und es zeichnet sich durch den rein garifuna-sprachlichen Text aus. Die Platte ist eine verlockende Mischung aus durch Gitarre und Chor begleiteten Songs. Perfekt für einen Moment in der Sonne, die in Belize, wesentlich näher am Äquator als wir, beinahe 12h pro Tag scheint.

10.Mit Rückgriff auf die Wombats präsentiere ich hier an dieser Stelle die Band, mit der alles begann und einen kleinen Exkurs Popgeschichte. Wie sagt die Guardian-Liste4 so schön: Without this ... no Oasis, no The Kooks, no Britpop at all. Tatsächlich war Suede eine der wichtigsten Gruppen für die Entwicklung des sogenannten Britpop. Kommerziell nie so erfolgreich wie die Gruppen in ihren Fußstapfen, schon gar nicht in den Staaten. Ihnen war der Frontsänger zu androgyn, die Texte zu gefühlsbetont und blablabla...Bild gibt es hier. Die Platte Suede ist von 1993 und ich bin begeistert von Passagen wie dieser:
You'll pierce your right ear, pierce your heart here,
the skinny boy is one of the girls


11.Ja, Ja, ich weiß, David & the Citizens waren schon mal mit diesem Song vertreten. Aber wer diese Version nicht liebt, der hat kein Herz. Mal ernsthaft. Es ist die beste Demoversion eines Songs, die ich seit langer Zeit gehört habe. Hört nur wie genial roh und unbearbeitet das klingt. Falls euch das nicht gefällt, zum Devil mit euch!

12.So merkwürdig die Einordnung "ambient" zunächst wirken mag, um so genialer hat sich dieser Song dann offenbart. Kiln präsentieren mit Fyrepond5 hier einen elektronischen Titel, der klingt, als würden wir einer Zeremonie von wie auch immer gearteten indigenen Trommlern und Menschen, die auf Granitplatten kratzen, lauschen, die dann und wann durch ein Set von Melodien begleitet werden. Ich sehe Gesichter mit dunklen Augen und bemalte Körper vor meinem geistigen Auge tanzen.

13.Xiu Xiu dürfte zu den anspruchsvollsten Interpreten zählen, die ich in meiner Sammlung habe. Eigentlich singt er immer über Vergewaltigung, emotionalen Niedergang, Gewalt, politisch Verfolgte (er hat einen Song Guantanamo canto), Hass auf sexuelle Minderheiten und dergleichen mehr. Dennoch begeistern mich seine Songs immer sehr, ja, ich bin gerade zu froh, dass es Künstler gibt, die uns nicht das Blaue vom Pophimmel heruntersingen sondern uns auch mit den unbequemen Wahrheiten unserer Gesellschaft konfrontieren: Master of the bump (Kurt Stumbaugh, I can feel the soil falling over my head). Stumbaugh ist übrigens ein Saxophonist in einer anderen Gruppe oder ein Großindustrieller. Sucht euch aus, ob ihr subtile Musikreferenzen oder knallharte Kapitalismuskritik darin hören wollt.

14.Zugegebenermaßen ist Sterben ja kein besonders schönes Thema. Gerade deshalb habe ich mich entschieden Decoder Rings To Die mit auf diese CD zu bringen. Die australische Gruppe zeigt hier, wie schön man Sterben musikalisch illustrieren kann. Vielleicht könnte man diesen Song zu meiner Beerdigung spielen!

15.Oh ja, und diesen bitte auch um den Leuten auch wieder den Ernst der Situation bewusst zu machen. Vom 1977er Album Low ist hier David Bowies Warszawa. Ein extrem düsteres Stück, das, wenn wir eine Titelreferenz zulassen, die musikalische Umsetzung des kriegsgezeichneten Warschau sein könnte. Besonders gelungen ist der Chor in diesem Stück, Gänsehaut.

16.Auch dieser Song war schon ein Mal auf dem Mixtape auf CD vertreten. Aber es gibt Songs, die kann man immer wieder hören und so reiche ich euch an vorletzter Stelle The Veils One Night On Earth von der gleichnamigen Single. Ich mache kein Geheimnis daraus: Ich bin Finn Andrews Stimme erlegen:
I'm not so alone in here tonight
The light shines off the pennies in the street
And love feels such a plausible delight
And now I've learnt the lyrics in full to Auld Lang Sine6

17.Den Rausschmeißer machen heute Kraftwerk mit ihrem Song Autobahn, unnatürlich gekürzt auf 11:23min, für die richtige Version mit stolzen 22:43 war leider kein Platz auf dieser CD. Ich finde, Kraftwerk wird zu unrecht immer so runtergenuddelt überall. Das ist wirklich künstlerische Musik, wenn man bedenkt das dieser Song von 1974 ist. Habe mir daraufhin gleich das Album aus der Musikbibliothek geholt. Fazit: Bemerkenswert.

Viel Vergnügen und erhellende Momente.


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1 Davon abgesehen zeigen die beiden Herren, wie gut zwei Kulturkreise miteinander klarkommen können. Das mal zum ständigen Gerede um Intergration...
2 Anton Corbijn, 2007.
3 vielleicht am ehesten: (engl.) leugnen.
4 The Guardian: The 50 Albums That Changed Music, http://arts.guardian.co.uk/features/story/0,,1821231,00.html [22. Februar 2008].
5 meine Kenntnisse nordischer Sprachen halten sich in Grenzen, aber das heißt Feuersee (engl. Firepond) oder?
6 Auld Lang Sine (old long since - lang, lang her) ist ein vertontes Gedicht von Robert Burns (schottischer Poet, 1759 -1796) und wird am Abend des New Year's Day (1. Januar) in vielen anglophonen Ländern gesungen.